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Bundesrat gerichteten Briefe von: 15. Dezember 1878 zumPrinzip „der Zollpflichtigkeit aller über die Grenze eingehen-der Gegenstände mit Ausnahme der unentbehrlichen Roh-stoffe" ausgesprochen hatte, erkannte Bamberger, daß er jetztnicht mehr mit dem Reichskanzler, sondern in den wichtigstenFragen als ein prinzipieller Gegner gegen ihn zu arbeitenhaben werde. Was das heißen wolle, konnte er leicht vorher-sehen. Denn der Reichskanzler verlangte nicht nur unbedingteHecresfolge und rasche Bekehrung zu seinen neuen Über-zeugungen, sondern sah einen jeden, der diese aus bestenGründen und — lediglich von patriotischen Motiven getrieben —nicht leisten konnte, als seinen persönlichen Feind an, be-handelte ihn darnach in seinen Parlamentsreden und ließ ihmin der Presse durch Bücher, Busch und bedenklichste Lohn-schreiber das Übelste nachsagen. Und wie wurde diese politi-sche Gegnerschaft in den Privatverkehr übertragen! Bam-berger selbst hat mir wunderbare Dinge von dem Verhaltenhoher Reichsbeamten gegen ihn erzählt, nachdem er ganz be-sonders sich den Zorn des eisernen Kanzlers zugezogen hatte.Daß durch dieses Vorgehen Bismarcks der Kampf ein imnierheftigerer werden mußte, und am Ende auch der gelassensteund sachlichste Opponent in Verbitterung hineingetrieben wurde,begreift sich nur zu sehr. Bamberger schrieb schließlich dochim Hinblick auf solche Art von Kriegsführung gegen ihn:„Das Kraftgeheimnis dieser Art politischer Genialität wurzeltin der unbefangenen Verachtung aller menschlichen und gesetz-lichen Rücksichten, in dem unbegrenzten Gefühle der Berech-tigung des eigenen Willens, gestützt auf die eigene Intelligenz.Alles, was der von unten Hinaufschauenden Menschheit wieIdeal vorkommt, existiert für solches Hcrrenbewußtsein nurals Inhalt des eigenen Ich" (Ges. Schr. V, 343).
V.
Nach der Entlassung Delbrücks im Mai 1876 trat dieVeränderung in der Wirtschaftspolitik Bismarcks äußerlich