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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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noch nicht sofort ganz deutlich hervor. Das alte Verhältnisder nationalliberalen Partei zu ihm schien vorübergehend so-gar ein festeres werden zu sollen. Von Bambergers Wohnungaus, in der eine Besprechung der nationalliberalen Partei-führer stattgefunden hatte, trat im Dezember 1877 Herr vonBennigsen die ominöse Reise nach Varzin an, um mit demReichskanzler über den Eintritt von hervorragenden Mit-gliedern seiner Partei in das Ministerium zu verhandeln.Jetzt weiß man, daß es Bismarcks Plan gar nicht war, solchezu gewinnen, sondern nur den Herrn von Bennigsen zu sichherüberzuziehen. Nachdem diese Kombination gescheitert war,trennten sich die Wege der bis dahin ausschlaggebenden Fraktiondes Reichstages immer mehr von denen des Kanzlers. Bam-berger, der seiner unitarischenRichtung getreu am 21. März1877 im Reichstage sehr entschieden für die Verlegung des zuschaffenden Reichsgerichts nach Berlin gesprochen hatte, be-schäftigte sich in dieser Zwischenzeit vorwiegend mit der immerdringender werdenden sozialen Frage. Damals schrieb erverschiedene Aufsätze über sie für dieDeutsche Rundschau",die 187778 erschienen und dann in der Schrift:Deutschland und der Sozialismus", mit Zusätzen vermehrt, in verschiedenenAuflagen wieder abgedruckt worden sind. Wie wenige saher die Gefahren, die aus der Agitation der Sozialdemokratiefür die bürgerliche Gesellschaft erwuchsen, klar ein, glaubteaber nicht, daß gegen sie mit drastischen Mitteln zu helfensei, da die Wurzel des Übels in Deutschland zu tief sitze.Denn hier hätten die Lehren der Sozialdemokraten nur einenso empfänglichen Boden gefunden, weil sie eine in so vieleKlassen zerklüftete Gesellschaft vor sich gehabt hätten (Er. S. 20).Aus diesem Grunde war er auch gegendas Gesetz zur Ab-wehr sozialdemokratischer Bestrebungen", das dem Reichs-tage nach dem Attentate Hödels gegen das Leben des KaisersWilhelm (11. Mai 1878) zugegangen war. Als aber nunein womöglich noch scheußlicheres Attentat gegen das Lebendes ehrwürdigen Monarchen durch den Dr. Nobiling am