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2. Juni verübt worden war, beschloß Bismarck, sofort denReichstag aufzulösen. Jetzt schlug die öffentliche Meinungzugunsten von Ausnahmemaßregcln gegen die gefährlicheGesellschaft stark um. Unter dem Drucke dieser Vorgängetrat nun auch Bamberger in der großen Debatte, die am16. September 1878 begann, für das neue Gesetz gegen dieSozialdemokratie ein. Er meinte zwar auch jetzt, daß mandurch es rasche Erfolge nicht erzielen werde, glaubte aberdoch, es könnte vielleicht dadurch gelingen, dem Weiterum-sichgreifen der Irrlehren Einhalt zu tun. Am 19. Oktoberwurde dann das Gesetz, das die darauf gesetzten Hoffnungenkeineswegs erfüllt hat, endgültig von: Reichstage genehmigt.
Bismarck, mit diesem parlamentarischen Erfolge keines-wegs zufrieden, wollte das Eisen schmieden, solange es nochwarm war. Er hoffte nun seine neugewonnenen Ansichtenüber die Zollgesetzgebung des Reichs mit den mürbe ge-machten Nationalliberalcn oder gegen sie, wenn es nötigsei, durch das neugewonnene Zentrum durchzusetzen. Gegendiese Wendung des Kanzlers, welche in seinem schon er-wähnten Schreiben an den Bundesrat vom 15. Dezember
1878 einen so schroffen Ausdruck gefunden hatte, lehnte sichjetzt bei Bamberger alles auf. Hatte er schon am 11. Januar
1879 in der „Volkswirtschaftlichen Gesellschaft" einen Vor-trug gegen die hier ausgesprochenen Grundsätze gehalten, sotrat er in einer meisterhaft populär abgefaßten Streitschrift:„Was uns der Schutzzoll bringt" (Berlin 1879) gegen diedrohenden Kornzölle usw. auf. Obwohl damals auch nochH. von Treitschke gegen den Kornzoll sprach, war gegen dievon der Reichsregierung entfesselte und unterstützte pro-tektionistische Strömung nicht mehr aufzukommen. Eineandere gesellte sich bald zu ihr: die Bewegung gegen dieMünzgesetzgebung des Reiches, die noch nicht ganz zumAbschlüsse gekommen war. Hatte die Regierung schon mitdem Verkaufe der deutschen Silbervorräte gezögert und da-durch schwere Geldverluste herbeigeführt, so wurden jetzt durch