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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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hatte das Großhandlungshaus I. C. Godeffroy in Hamburg bedeutende Plantagen angelegt, war aber bankerott geworden.Man hatte nun dem Reichskanzler nahe gelegt, die Rechteund Besitzungen dieses Hauses dadurch für Deutschland zusichern, daß man einer mit einem Aktienkapitals von 10 Mil-lionen Mark in Berlin zu gründendenDeutschen Seehand-lungsgesellschaft" für 20 Jahre einen Zinsertrag vonbis zur Höhe von 300000 Mk. garantiere. Bamberger , vonFrankreich her prinzipiell ein Feind aller Einmischung desStaates in Handelsgeschäfte, betrachtete die Frage von reinkaufmännischem Standpunkte aus und meinte, das Reich werdehierbei schlechte Geschäfte machen. Nicht anders urteiltenandere Sachverständige, z. B. der große Reeder H. H. Meier aus Bremen .Bei diesem Unternehmen," sagte er,werdenwir keine Ehre und keinen Ruhm gewinnen, wir werden nurunser Geld verlieren." Der Reichstag verwarf denn auch dieVorlage am 27. April 1880, aber eine nichtsubventioniertcdeutsche Handelsgesellschaft bildete sich dann doch. In weitenKreisen hat man damals wie noch heutigentags Bamberger diese seine Haltung verübelt. Sie hängt aber mit seiner Stel-lung zur gesamten Kolonialpolitik zusammen und ist auchwohl von seiner Gesamtauffasfung der neuen Reichspolitikabhängig gewesen. Von persönlicher Ranküne war auch hierbeinicht die Rede, wie Bismarck, ohne Beweise beibringen zukönnen, behauptete. War er doch selbst früher gegen die Er-werbung von Kolonien gewesen. Am 8. Februar 1871 sagteer nach Busch (Tagebuchblätter" II, 157):Ich will auch garkeine Kolonie. Die sind bloß zu Versorgungsposten gut. InEngland sind sie jetzt nichts andres, in Spanien auch nicht.Und für uns in Deutschland diese Koloniegeschichte wärefür uns genau so wie der seidene Zobelpelz in polnischenAdelsfamilien, die keine Hemden haben." Bamberger mußtees als ganz widersinnig erscheinen, wenn man gegen die ganzeWelt zu Hause Zollschranken aufrichtete und nun auf einmaleine Welthandelspolitik mit Kolonialbesitz usw. inaugurieren