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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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wollte, ein Widersinn, den aber selbst heutzutage nichtwenige noch nicht begriffen haben.

Über die Samoafrage war, wie schon bei manchen prin-zipiell noch wichtigeren Vorlagen der Regierung, die national-liberale Partei geteilter Ansicht gewesen. Es fanden sich, selbstnach dem Ausscheiden von 18 süddeutschen Fraktionsgenossen,die in allem Bismarck folgten, noch genug Streitpunkte, dieauf eine Zersetzung der bis vor kurzem noch so mächtigenPartei hindrängten. Unzweifelhaft hatten der Umschwung dergesamten inneren Reichspolitik und die immer stärker her-vortretenden autokratischen, inkonstitutionellen Neigungen desReichskanzlers hierzu das Meiste beigetragen. Immer deut-licher sonderte sich ein rechter und ein linker Flügel unterden Nationalliberalcn ab. War Herr von Bennigsen, derFührer der einen, auch manchen Stenerplänen des Reichs-kanzlers, z. B. dessenletztem Ideale", dem Tabaksmonopole,mit aller Energie entgegengetreten, und dabei, vielleicht ganzverhängnisvoll für die weitere Entwicklung der Dinge, Siegergeblieben, so stand er doch seiner ganzen persönlichen Haltungnach und in einer ganzen Anzahl von nicht untergeordnetenFragen der reichskanzlerischen Politik näher als die prinzipiellenFreihändler, wie Bambcrgcr, Forckenbeck, Lasker, Stauffenbergusw. Diese konnten vor allem der Ansicht nicht beipflichten,daß volkswirtschaftliche Meinungsverschiedenheiten in keinerWeise die Angehörigkeit zur Fraktion beeinträchtigen könntenund alsoffene Fragen" anzusehen seien. Mit Recht konntensie hiergegen einwenden, in Zeiten, in denen in Deutschland der Kampf um die materiellen Interessen noch ein unterge-ordneter gewesen sei, wie im Jahre 1848, oder der nationaleGedanke sich noch so kräftig geregt habe, wie 1870, hättenTarif- und Zollfragen in einem Parteiprogramm als unter-geordnet freigegeben werden können, jetzt dagegen, wo eineReaktion in der gesamten inneren Politik durch das Aufrührender materiellen Interessen gefördert werden solle, sei es füreine politische Partei ganz ausgeschlossen, zu den Streitpunkten