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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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sitzen um so fester." Wenn der Reichskanzler diese vornehmeHaltung Bambergers ihm gegenüber eingestand, nachdem erihn in einer allein auf ihn persönlich sich beziehenden Ant-wort als ein Lujst mixte stigmatisiert hatte, das, wenn esmöglich wäre, sich auch in Paris sein Bürgerrecht das erja nie besessen gewahrt hätte, so kann man schon darauserkennen, von welcher Seite die verletzenden persönlichen An-griffe ausgingen.

Durch alle Anzapfungen dieser Art im allgemeinen dochunbeirrt und durch parlamentarische Mißerfolge nicht Pessi-mistisch gestimmt, ließ sich Bamberger in der Vertretung seinerdurch Erfahrung und Nachdenken gewonnenen politischen Über-zeugungen nicht einschüchtern, sondern verteidigte sie bei jederihm passend erscheinenden Gelegenheit in seiner Weise imReichstage und in der Presse. Fast keine wichtige parlamen-tarische Verhandlung fand statt, in der er nicht in längererRede das Wort ergriffen und unter vollster Aufmerksamkeitdes Hauses gesprochen hätte. Da er uns selbst in einemExkurse seiner Selbstbiographie einen, seinen eigenen prak-tischen Erfahrungen entnommenen, kleinen Katechismus fürParlamentsredner hinterlassen hat (S. 55 u. f.), so habenwir nicht nötig, uns über seine Redeweise näher auszulasten.Theorie und Praxis stimmten bei ihm zusammen und es hatin der Tat nicht viele Redner des Reichstages gegeben, denendieser so willig und andauernd, wenn auch oft widersprechend,gelauscht hätte als dem Abgeordneten von Alzcy-Bingen. Sohielt er bei der Etatsberatung für 1884/85 im Mai 1883eine große Rede, in der er sich über die Mißachtung desParlaments von feiten der Reichsregierung beklagte unddamit schloß, daß er zu bedenken gab:Der deutsche Reichs-tag und der deutsche Kaiser sind im Sinne des Volkes aneinem Tage geboren, sie leben zusammen und einer trägtden anderen; wir sind, welche Opposition wir auch machenmögen, immer Seiner Majestät allergetreueste Opposition, undin diesem Sinne werde ich mir auch erlauben, gegen die