Druckschrift 
Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
Seite
277
Einzelbild herunterladen
 

277

seine Mitmenschen so fruchtbringend zu gestalten, wie er daserreicht hat. Mit seltenen Fähigkeiten, einem scharfen Ver-stände und einer fast unverwüstlich erscheinenden geistigenElastizität ausgestattet, hatte er sich durch langjähriges Studiumund Übung eine philosophische und weltmännische Bildung er-worben und eine wahre Herzensgüte bewahrt, die jene heitere,gelassene, humorvolle und doch sichere und feste Grundstim-mung seines Wesens erzeugte, in der er sich ausgelebt hat.

Bamberger würde seine Selbstbiographie wohl raschergefördert haben, wenn ihn nicht wiederholte Anfälle vonkatarrhalischen Leiden heimgesucht hätten. Auch starb ihmplötzlich sein bewährter Sekretär. Im Frühjahr 1898 trateine noch gefährlichere Hemmung seiner Tätigkeit ein. Ermeldete mir in einem diktierten Briefe von 18. April: . . . AmMittwoch, den 23. März, spürte ich plötzlich des Nachmittagsbeim Ordnen von Briefen und Papieren einen Ruck im Kopfeauf der rechten Seite. Alsbald verbreitete sich Unbehagenüber den ganzen Körper, es folgte eine schlechte Nacht, undam anderen Morgen scheint mein Aussehen und Gebahrcn sobeängstigend gewesen zu sein, daß meine Umgebung nach demArzte schickte, den ich zu berufen für überflüssig gehaltenhatte. Nun ahnte ich, was geschehen sei. Ein Schlaganfall,ein gemäßigter, war über mich gekommen. Allmählich stelltesich ein gewisses Unvermögen der linken Extremitäten undeine gewisse Schwerfälligkeit im Sprechen ein. Der Arzt be-stätigte meine Vermutung. Mit Medizin ist in solchen Fäl-len nichts zu machen und die einzige Arznei ist Ruhe undBewahrung vor aller Anstrengung des Kopfes. Nach einigenTagen trat eine kleine Besserung ein, die seitdem weitere

Fortschritte gemacht hat." Schließlich erzählt er, daß

der Arzt ihm Hoffnung gegeben habe, daß er doch seine üblicheSommerreise über Mainz , zu seinem dort noch lebenden ältestenBruder Rudolph, nach Jnterlaken werde machen können, undschloß:Ich höre das gern, einstweilen ohne absoluten Un-glauben au." Wirklich hatte sich der Arzt nicht geirrt, und