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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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das, was sich alsbald ereignen wird. Im schärfsten Gegensatzehiermit verlangt die Fortschrittspartei die Abrüstung unsererArmee.

Diesem Begehren kann unsere Partei in keinem Fallenachgeben. So wenig wir mit Heeresmacht in anderer HerrenLänder einfallen wollen oder die süddeutschen Staaten irgend-wie zwingen möchten, sich in den Norddeutschen Bund auf-nehmen zu lassen, so wenig können wir uns den Präten-sionen anderer Staaten gegenüber waffenlos machen. Undwenn wir erklären, wir wollten jeden einzelnen süddeutschenStaat in den Bund aufnehmen, wenn er aufgenommen seinwolle, so müssen wir auch die Möglichkeit, ja die Wahrschein-lichkeit setzen, daß wir vorkommenden Falles dann Krieg habenwerden, oder den Krieg nur nicht haben werden, weil wirgerüstet sind. Wenn wir über den Main hinaus wollen, somüssen wir auch die Mittel wollen, die die Mainbrücke ver-teidigen können. Es scheint das so selbstverständlich zu sein,daß hierüber unter uns kein Streit herrschen sollte. So gernwir auch die großen Geldsummen, welche die Aufrechterhaltungunserer Militüreinrichtung kostet, in den Taschen der Steuer-zahler lassen oder sie zu Werken des Friedens verwendenmöchten: wollen wir nicht auf unser nationales Programmverzichten, dann heißt es sich hier schlüssig zu machen, dasGeschrei der Menge hintan zu setzen und unserem Volke be-greiflich zu machen, daß, wenn es zur Einheit gelangen will,kein anderer Weg zum Ziele führt. So viel Zugkraft traueich dem nationalen Gedanken bei der großen Majorität allerUrteilsfähigen in Norddeutschland und auch in Baden nochzu, daß er zu diesem Opfer die Gemüter noch wird willigmachen.

Und dann gewinnen wir doch der Regierung oder wenig-stens der Krone und dem leitenden Kopfe der Regierunggegenüber eine viel sicherere Position, wenn wir bestimmt vonvornherein erklären, wir werden für eine definitive, gesetzlicheRegelung der Organisation des Bundesheeres auf deren bisher