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erlebt haben. Sie werden wohl beide sich nicht von der Ver-kehrtheit ihres Tuns überzeugt haben, aber die Geschichte hatdasselbe verurteilt, wie das ihrer wenigen Anhänger. Beidewaren politische Fanatiker, die, wie sie in ihrer Jugend radikaleBurschenschaftler n la. Heinrich Leo gewesen waren, wie diesersich zu Vertretern eines klerikalen Absolutismus in einemLande herausgebildet hatten, zu dessen Betätigung hier alleVorbedingungen, sogar eigentlich auch bei dein Fürsten des-selben, fehlten. Denn von einer relativ kleinen Anzahl vonMännern abgesehen, welche den gleichen kirchenpolitischen An-sichten der Hassenpflng und Vilmar huldigten, bestand ihreGefolgschaft aus sehr zweifelhaften Elementen. Manhatte in Nachahmung des preußischen Treubnndes einen kur-hessischen gebildet und der Kurfürst hatte den Vorsitzenden des-selben mit einem Schreiben: „an meinen lieben AmtmannTassins" beehrt. Aber dieser Richter mußte bald darauf wegenUnterschlagung von Gerichtsgebühren kassiert werden. Einanderes Mitglied, ein Beamter des Museums in Kassel , ver-untreute wertvolle Gegenstände daraus usw., alles Vor-gänge, welche das Ansehen der spezifisch kurfürstlichen Parteinicht gerade zu heben imstande waren. Es ist gewiß nichtzu viel gesagt, wenn man behauptet, daß die namentlichdurch Vilmar verteidigte Theorie des fürstlichen Absolutis-mus im Hinblick auf die tatsächliche Darstellung im Lande nichtwenig dazu beigetragen hat, das monarchische Gefühl abzu-stumpfen und die Glcichgiltigkeit gegen die Fortexistenz desKurstaates zu fördern.