Professor Knapp hat, nachdem die neue Theorie des staat-lichen Geldes von ihm in ihren allgemeinen Zügen entwickeltwar, seinem Werke als viertes Kapitel einen „Überblick nachStaaten“ angefügt. Dessen Aufgabe ist es offenbar, zu zeigen,in welcher Weise die neue Auffassung der Dinge in praxi inden Stand setzt, die Geldsysteme einzelner Staaten sowie ihreEntwicklungsgeschichte möglichst vollkommen zu erklären.
Zur Behandlung sind England, Frankreich , das deutscheReich und vor allem Österreich gelangt. Also unser Vaterlandund seine wichtigsten Nachbarländer. Sie alle stehen auf hoher,vielleicht höchster Stufe der Geldentwicklung. Gründe genug,gerade diese Staaten zu Objekten der Darstellung zu wählen.Im folgenden soll nun der Versuch unternommen werden, Ähn-liches, womöglich Gleiches bezüglich der Vereinigten Staaten von Amerika zu leisten. Motive praktischen (unsere engen Han-delsbeziehungen mit Amerika ) und theoretischen (die Vielseitig-keit der Formen amerikanischer Zahlungsmittel) Interesses lassendas Beginnen nicht unerwünscht erscheinen.
Aus der Natur der gestellten Aufgabe ergibt sich eines vonselbst und braucht eigentlich nicht erst erwähnt zu werden.Eine neue pragmatische Untersuchung des amerikanischen Geld-wesens wird von uns nicht beabsichtigt. Wir besitzen sie bereitsin den vorzüglichen Schriften von Dr. Prager 1 ) und Hasen-kamp 2 ). Sie lassen an Reichhaltigkeit, sowie Güte des verar-beiteten Materials nichts zu wünschen übrig.
Auf ihnen, amerikanischen Autoren sowie vor allem aufden Texten der Münzgesetze der Union fußen wir im folgenden.
*) Dr. Prager: Die Währungsfrage in den Vereinigten Staaten vonNordamerika, Stuttgart 1897.
Derselbe: Die Währungs- und Bankreform in den VereinigtenStaaten von Amerika. Berlin 1900.
2 ) Ad. Hasenkamp: Die Geldverfassung und das Notenbankwesender Vereinigten Staaten. Jena 1907.
Scheffler, Geldwesen der Ver. Staaten v. Amerika im XIX. Jahrh. 1