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Das Geldwesen Frankreichs zur Zeit der ersten Revolution bis zum Ende der Papiergeldwährung / von Hermann Illig
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II. DIE PAPIERGELDWÄHRUNG.

auch diese Maßnahme schon deshalb wirkungslos bleiben, weildie Darlehen kein Ende genommen hätten. Das Yerbot einerReihe von Inhaberpapieren, die Aufhebung sämtlicher Kredit-institute, die Schließung der Pariser Börse, die Sequestrationvon Ausländern gehörigen Gütern u. a. mußten nur verderblichsein. Freiwillige und Zwangsanleihen zwecks Verminderungdes Papiergeldumlaufs konnten ebenfalls nicht zum Ziele führen.Diese zum Teil naturwidrigen Bestimmungen waren tiefgehendeEingriffe in Privatrechte, die Handel, Ackerbau und Industriein lästige Fesseln schlugen und die freie Entwickelung derVolkswirtschaft verhinderten.

Das Ausland fand auch ohne die systematische Absperrungkeinen Anreiz, unter diesen Verhältnissen den französischen Markt aufzusuchen. Im März 1794 entschloß sich derWohl-fahrtsausschuß zu einer Maßnahme, die im Prinzip besser wiein der Art ihrer praktischen Durchführung war. Er wiesKaufleute in Südfrankreich an, Waren bis zu einem bestimmtenBetrage zu exportieren, indem er sich richtig sagte, es seivorteilhaft, ausländische Schuldner zu haben; ausländischeGläubiger könnten dann mit Devisen bezahlt werden. DerWohlfahrtsausschuß schien zu ahnen, daß der Wechselkurssteigen würde, wenn die Zahl der ausländischen Schuldnermöglichst groß sei und daß zu diesem Zweck der Exporthandelzu unterstützen sei. Er hätte dabei das volkswirtschaftlicheüber das rein fiskalische Interesse setzen müssen. Der Wohl-fahrtsausschuß setzte aber das fiskalische über das volkswirt-schaftliche Interesse und legte den betreffenden Kaufleuten dieVerpflichtung auf, ihre Tratten auf das Ausland der Tresoreriegegen Assignaten zur Verfügung zu stellen, um selber Hart-geldsendungen für die Regulierung seiner ausländischen Ver-bindlichkeiten zu ersparen. Das war natürlich für die Kauf-leute eine unbequeme Beschränkung. Der Staat hätte demExport nicht nur freie Bahn lassen, sondern mit seinenMachtmitteln unter die Arme greifen müssen und hätte soauch für seine fiskalischen Zwecke viel sicherer und leichter