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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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KAPITEL III.

Erdbeben und Cholera hatten die Kauflust des Volkes aufein Minimum herabgedrückt. Dazu kam, dass gerade in derZeit, in welcher das Deutsche Reich mit Spanien wegen derErneuerung des Handelsvertrages verhandelte, die Schweizer sich vollständig dort einzudrängen und die elsässische Con-currenz total aus dem Felde zu schlagen verstanden haben.

Allein auch der Absatz nach Frankreich leidet schwer.Ausser der allgemeinen Kaufunlust, die auch hier herrscht,und grösstentheils in den kriegerischen Verwickelungen ausser-halb Europas und in der Heimsuchung durch die Choleraihren Grund hat, ist es vor allem die Schweizer Concurrenz,welche die Markircher Waare auch dort fast gänzlich vomMarkte zu verdrängen droht. Die Klage hierüber ist eineallgemeine und wie es scheint wohl begründete. Die Schweizer Fabrikanten sind in Folge des Zusammentreffens einer Reihevon günstigen Umständen in der Lage, ihre Fabrikate zueinem um vieles billigeren Preise liefern zu können, als Mar-kirch es zu tliun im Stande ist.

Vor allem sind es die enorm niedrigen Löhne, welchedie Schweiz begünstigen. Man nimmt an, dass dieselbendort durchnittlich 33,3 °/o niedriger stehen als in Markirch .So bezahlen die hiesigen Fabrikanten beispielsweise für einTüchel Calcutta 0,170,18 fr. Weberlohu, während der Lohnin der Schweiz für das gleiche Tüchel nur 0,110,12 fr.betragen soll.

Ferner ist das Garn und die Färbung in der Schweiz billiger, als im Eisass, auch sind die Generalkosten nicht sohoch. So soll der Fabrikant dort nur '/a bis >/i sovielSteuern bezahlen, wie hier. Endlich lassen die Schweizer ihre Mouchoirs vielfach, wenn auch nicht ausschliesslich aufDampf- und Wasserstühlen anfertigen, während hier dasTüchel stets mit der Hand gewebt wird.

Möglich ist dies den Schweizern nur dadurch, dass siefast niemals ihre Muster wechseln; denn würden sie dies tliun,so käme ihnen die mechanische Weberei, wie späterhin ge-zeigt werden wird, theurer zu stehen, als die auf dem Hand-stuhl. Die Abnehmer finden in der Billigkeit der Tücherein genügendes Aequivalent für die mangelnde Abwechslung.