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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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KAPITEL IV.

die Atelierarbeiter genau dieselben wie für die Hausarbeiterdesselben Fabrikanten. Da nun ferner die Atelierarbeiterfast ausnahmslos an dem Orte selbst, in welchem sich dieWerkstatt befindet, ansässig sind, so ändert die Arbeit indenselben auch bei Weitem nicht soviel an ihrer socialenLage, als die Fabrikarbeit dies thut. Der Atelierarbeitersteht vielmehr im Allgemeinen auf derselben socialen Stufewie der Hausweber. Oft kommt es auch vor, dass in der-selben Familie sich beiderlei Arbeiter vorfinden. Der "Vateroder erwachsene Sohn schafft in der Werkstatt, während dieMutter mit den andern Kindern theils den häuslichen Ge-schäften obliegt, theils im Hause am Webstuhl sitzt.

Ein wesentlicher gewerbetechnischer, die ökonomischenVerhältnisse bedeutend beeinflussender Unterschied aberzwischen Hausweber und Atelierarbeiter besteht darin, dassder letztere dauernd von einem Contremaitre, Faktor be-aufsichtigt wird, und man ihm daher schwieriger herzu-stellende Gewebe anvertrauen kann. Ferner erlaubt diegrössere Höhe der Werkstattsräumlichkeiten hier auch Ra-tieres und Jacquards aufzustellen, die man bei keinem ein-zigen Hausweber des Weilerthales findet. Diese beidenUmstände haben zur Folge, dass der Werkstättearbeiter, derdie besser bezahlte Arbeit auszuführen erhält, mehr ver-dient als der Hausweber, eine Thatsache, die mich besondersabgehalten hat, die Lage beider Kategorien von Webern inderselben Untersuchung darzustellen.

Wie nun die bessere Arbeit vielfach Leute aus demHaus in das Atelier lockt, so gibt es noch eine Reiheanderer Gründe, welche diesen Einfluss auszuüben im Standesind. Erstens erfordert die Arbeit in der Werkstätte nichtdie Kapitalanlage eines eigenen Webstuhls, was immerhineine Ausgabe von 7075 fr., und soll es ein breiter Stuhlsein, eine solche von 100 fr. bedeutet.

Für ledige Personen und kinderlose Eheleute kommtferner hinzu, dass sie sich durch die Atelierarbeit im Winterdie Heizung und das ganze Jahr hindurch die Beleuchtungersparen. Schliesslich sei noch ein letzter für die Werkstättesprechender Grund angeführt, den mir ein junger Bursche in