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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
Entstehung
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DIE WEBEREI IM WEILERTIIAL.

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eine gewisse Geschicklichkeit voraussetzt, uud dann weilhierzu zwei Personen nöthig sind. Auch hier besteht einfester Lohnsatz. Die Afterarbeiterin erhält für das Einzieheneiner Kette 15 Sou. Diese Arbeit ist übrigens nur seltennöthig, da in jedem Jahr das Geschirr höchstens einmal ge-wechselt wird, und sonst die neue Kette gewöhnlich durchAndrehen befestigt wird.

Von einer andern social-ökonomischen Erscheinung, diedurch die Benennung der betheiligten Personen (Gesellen)zu der irrthümlichen Annahme eines Arbeitsverhältnisses An-lass geben könnte, wird späterhin die Rede sein.

0. DIE LÖHNUNG.

Die Höhe des Lohnes richtet sich nach der Art desanzufertigenden Gewebes. Yon Einfluss ist hier der Stoff,der Artikel und die Dichtigkeit des Gewebes.

Was den Stoff anbetrifft, so wird die Wolle am bestenbezahlt. Dieselbe ist an und für sich werthvoller und vorallem schwieriger zu weben.

Yon den verschiedenen Artikeln erzielen die Tücheldie geringsten, die Neuheiten die höchsten Löhne.

Die Dichtigkeit des Gewebes wird, je nachdem essich um Kette oder Einschuss handelt, auf verschiedeneWeise bezeichnet. Erstore zeigt die Nummer des Geschirresan. Man unterscheidet danach eine achtzehner, zwanziger,zweiundzwanziger Kette und andere mit Nummern ähnlicherHöhe. Diese Zahl wird höchst eigenthümlicher Weise durchdie Zahl der Fäden gefunden, welche durch einen Rietkammvon 86,5 cm Breite gehen. Ebenso wie hier gibt auch beiBestimmung der Einschussdichtigkeit ein älteres Maass denMaassstab ab. Mari klassirt nach der Menge der Fäden,welche in den Raum eines alten Yiertelzolls einzuschiessensind. Je höher die Geschirrnummer und je mehr Einschuss-fäden zu verweben sind, desto besser wird natürlich die Ar-beit bezahlt.

Die Löhne sind nuu in den letzten schlechten Zeitensehr herabgedrückt worden, allerdings von den verschiedenenFabrikanten in verschiedenem Maasse.