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KAPITEL IV.
und Weber. Ein Wechsel der Fabriken teil wurde sogar da-durch erleichtert, dass der neuerwählte Fabrikant die Dar-lehnsforderung des früheren, welche in dem Arbeitsbuch derWeber aufgezeichnet wurde, regelmässig übernahm, indem erdie Schuld an den alten Fabrikanten abzahlte.
Abzüge am Lohn können aus drei Gründen gemachtwerden: wegen fehlerhafter Arbeit, wegen mangelnden Ge-wichts im Stoff und wegen zu später Ablieferung.
Obwohl die Strafe für letztere auf jedem Stückzettelangedroht ist, wird sie doch, wenigstens bei dem jetzigenflauen Gang der Geschäfte, niemals eingezogen. Ist wirklicheinmal eine Arbeit pressant, oder behält der Weber eineKette, sei es aus Trägheit, sei es krankheitshalber zu langeim Hause, so nimmt sie der Faktor von ihm, soweit es nochmöglich ist, einfach zurück, und überträgt sie einem andernWeber.
Die Unterschlagung von Rohstoffen soll nach demAusspruch einzelner Fabrikanten und Faktoren nicht allzuselten Vorkommen.
Besonders schwierig ist hier die Controle der baum-wollenen Stoffe, welche geschlichtet werden müssen, da diehierdurch entstehende Zunahme an Gewicht eine sehr ver-schiedene sein kann. Noch vermehrt wird diese Unzuträg-lichkeit durch das nasse Einschützen des Garnes. Auchdurch mehr oder minder straffe Spannung der Kette kannein grosser Unterschied in der Länge des fertig gestelltenGewebes erzielt werden.
So zeigte mir ein Fabrikant aus seinen Büchern, wievon dem gleich grossen Mouchoir-Artikel von 1 ü'/a Zeichenganz verschiedene Mengen von Tiichel — die Zahlen stiegenvon 79 bis 85 —■ abgeliefert worden waren.
Die Möglichkeit solcher Schwankungen hat übrigens zuder Bestimmung Anlass gegeben, dass bei Ablieferung desFabrikates 200 gr von dem Gewicht des Rohstoffes fehlendürfen.
Klagen seitens der Weber, dass die Fabrikanten etwadie Rohstoffe in zu nassem Zustande ihnen lieferten, umnachher von dem Fabrikat ein grösseres Gewicht, als sie es