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KAPITEL IV.
Es hat dies seinen Grund darin, dass die Firma, welche dortdie meisten Weber zählt, vor einigen Jahrzehnten den WebernVorschüsse zur Erbreiterung der Stühle gemacht hat. Wäh-rend in den übrigen Gemeinden diese Anerbietungen zurück-gewiesen wurden, gingen die Weber von Steige und Meisen-gott darauf ein. Seit dieser Zeit haben sich auch die dor-tigen Tischler iu die Fabrikation der breiteren Stühle einge-wöhnt und fertigen zum grössten Theil nur solche an. Diemeisten schmalen Stühle haben Gereuth und Laach. Obwohlgerade dies die ärmsten Gemeinden des Thaies sind, somöchte ich eine Verursachung dieser Armuth durch jenenUmstand doch von der Iland weisen, was die folgende Aus-einandersetzung als begründet erscheinen lassen wird. Uebri-gens gehört auch Meisengott trotz seiner breiten Stühle zuden ärmsten Gemeinden des Thaies.
Hören wir nun die Fabrikanten über diesen Punkt, solauten die Antworten recht verschieden.
Einige, und zwar die Minderzahl glauben, dass die Ver-dienstlosigkeit der Weilerthaler zum Theil auf der Schmal-heit ihrer Stühle beruht, da die am besten gehenden undam höchsten bezahlten Neuheiten häufig nur auf sehr breitenWebstühlen angefertigt werden können. Dass dieser Punktaber für das Weilerthal gar nicht von Bedeutung ist, dadort aus ganz anderen Gründen keine Neuheiten gewebtwerden können, wird weiter unten gezeigt werden.
Die Mehrheit stellt dies jedoch entschieden in Abrede.Einmal fänden sich auch Neuheiten genug, welche nichtbreiter als andere Artikel gewebt würden. Die Stapelartikeldagegen, die doch auch noch leidlich bezahlt würden, er-reichten höchstens eine Breite von 120 cm. Diese verhältniss-mässig noch breiten Gewebe gingen aber nicht so gut, alssolche von einer Breite von nur 100, 105 und 110 cm. Hier-mit stimmen auch meine im Thal selbst gemachten Beob-achtungen überein. Ich habe fast nirgends gefunden, dassLeute, die Webstühle von verschiedener Breite besassen, aufden breiteren mehr Beschäftigung gehabt hätten, als auf denschmäleren. Aber noch weiter! Einer der Fabrikanten er-zählte mir, dass vor 30 Jahren die Mode eine Breite von 100 cm