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KAPITEL V.
wohl die beinahe abergläubische Furcht des Süddeutschen vordem Fuselgehalt des norddeutschen Sprits die grösste Schuld.
Unter diesen Umständen steht ein allgemeiner Rück-gang der Kirschwasserproduktion zu Gunsten des Verkaufsder rohen Kirschen nach Frankreich zu befürchten. Amwenigsten rentirt sich die Destillation bei Leuten, deren Reich-thum an Kirschen mit ihrem sonstigen Vermögenszustandeund ihren landwirtschaftlichen Kräften nicht im Einklangstellt. Diese müssen erstens ein paar Mann zum Abpflückender Kirschen anstellen, da die Kirchen wegen der Gefahrdes Verfauleus sehr schnell geerntet werden müssen. Fernermuss der Brennzins an den Kesselbesitzcr, und falls derKirschwirth nicht Zeit genug hat, um selbst destilliren zukönnen, der Lohn für die destillirenden Arbeiter, und schliess-lich noch die Steuer bezahlt werden. Alles das sind Aus-gaben, die beim Verkaufe wegfallen, da der Kirschenhändler,der die Frucht auf dem Baume gekauft hat, insbesonderedas Pflücken besorgen muss. So rechnete mir ein Weberund Bauer in Noirreu vor, dass er für 321 Schnaps die —■bei dem jetzigen Preise von 2 Mk. pro Liter — einen Ver-kaufswerth von 80 fr. repräsentirten, 55 — 60 fr. Produktions-kosten gehabt habe. Mag diese Angabe auch übertriebensein, so spricht doch die Thatsache, dass der Mann einegrosse Zahl seiner Kirschbäume, weil der durch den Schattenverursachte Nachtheil durch den Ertrag des Kirchwassersnicht ersetzt werde, umgehauen hat, immerhin für die Un-produktivität dieser Kultur, wenn auch nur bei gewissen Um-ständen. Es ist übrigens dies das einzige Beispiel eines soradicalen Ilülfsmittels, das mir vorgekommen ist. Die Kir-schenbesitzer setzen vielmehr ihre Hoffnungen jetzt auf denRohverkauf der Kirschen.
In derselben Weise wie die Kirschen zu Kirsch, werdendie Zwetschen zu „Quetsch“ verarbeitet. Die Produktiondesselben ist jedoch eine äusserst geringe, da die meistenZwetschenbäume im Winter 1879/80 erfroren sind.
In einigen Gemeinden werden die dort gezogenenAepfel zu Aopfelwein und Essig verarbeitet. Es geschiehtdies in den Mühlen zu Bassenberg, Breitenau, Breitenbach,