LAND WIRTHSCIIAFT UND VIEHZUCHT.
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Grube und St. Moritz, welche die hierzu erforderlichen "Vor-richtungen besitzen. Das Verfahren ist höchst einfach. Inder Mühle werden die Aepfel mittelst einer "Walze zerquetscht,Saft und Rückstände untermengt sodann in Fässer verladen,und im eigenen Keller gähren gelassen. Ist das ausge-gohrene Produkt nicht allzusauer, so wird es als Aepfelwein,manchmal mit Traubenwein gemischt getrunken, andernfallslässt man es in Essig übergehen, um es später im eigenenHaushalt zu venverthen. Ein Verkauf desselben kommtkaum vor.
Ein Apfelbaum trägt durchschnittlich 2—4 Sack Aepfel,den Sack zu 200 Pfund gerechnet. 2 Sack liefern nach derübereinstimmenden Aussage der Mühlenbesitzer von Steigeund Grube eine Ohm Apfelwein oder Essig. "Werden ge-nügend Aepfel in die Mühle gebracht, so wird für das Zer-quetschen „par pressee“ bezahlt; jede Pressung kostet dann20 Sou. Sonst zahlt man per Sack 4 Sou. Der Müller inSteige hat 1884 10 Pressungen, der in Grube 1884 nur 2,1883 aber 20 Pressungen vorgenommen.
Der nach der Gährung verbleibende Rest (mars) wirdzur Destillation benutzt, nachdem er noch einmal einenGährungsprocess durchgemacht hat. Das „eau de vie depomme“ soll noch schmackhafter sein als der Kirsch, undwird, wenn überhaupt, zu demselben Preise wie dieser ver-kauft. Manche werfen die Aepfelreste auch den Schwei-nen vor.
Koch ist zu bemerken, dass ebensowohl wilde Kirschenzur Destillation, wie Holzäpfel zur Essigfabrikation genommenwerden. Das Produkt soll in beiden Fällen besser sein, wiedas aus den veredelten Früchten.
Die Bereitung von Oel aus Küssen ist gleichfalls be-sonders im hinteren Weilerthale üblich.
Die im Herbst geernteten Küsse werden an den langenWinterabenden zur Fabrikation vorbereitet. Da sitzt denndie ganze Familie rings um den Tisch herum; der Vaterschlägt mit dem Hammer die harten Schalen entzwei undWeib und Kinder befreien sie aus den Schalen und Hülsen.Dabei geht es recht heiter zu. Ein Stück Brot und ein paar