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KAPITEL VI.
kauft haben. Das Sclmsterhandwerk geht mit am schlech-testen von allen, und dies aus zwei Gründen: einmal weildie Leute im Weilerthal sehr viel Holzschuhe tragen, undzweitens, weil sie ihren Bedarf an Lederschuhen mit Vor-liebe auf dem Markt in Weiler durch Ankauf fertiger Waarebefriedigen. In Folge dieser Umstände herrscht unter denSchustern allgemeine Klage über ihre Verdienstlosigkeit.
Sattler existiren nur in Weiler und Steige, die für dasganze Thal zu arbeiten haben.
Das Schmiedehandwerk ist ziemlich verbreitet. Die 21Schmiede vertheilen sich, abgesehen von Weiler, auf 13 Ge-meinden. Dieselben haben meist auch die Schlosserarbeitenzu verrichten, da hierfür im ganzen Thal, ausser in Weiler,nur 3 gewerbsmässige Vertreter vorhanden sind. Die ge-ringe Anzahl von Wagnern — 9 in den Dorfgemeinden —kann uns bei der üblichen Bestellungsmethode der Aecker, inwelcher das Fuhrwerk nur eine geringe Rolle spielt, nichtWunder nehmen.
Die Bauhandwerke sind durch 15 Zimmerleute und 39Maurer vertreten, die durchgehends einen recht hübschenVerdienst haben.
Schornsteinfeger finden wir nur in 8 Dörfern. Die-selben werden von der Gemeinde angestellt und erhalten fürjedes Kamin, das sie 2 bis 4 mal im Jahre zu kehren haben,jedesmal 4 Sou. Die Dörfer, in denen keine Kaminfegerangestellt sind, lassen das Reinigungsgeschäft von den inden Nachbargemeinden befindlichen besorgen. Der Schorn-steinfeger ist es auch, der nöthigenfalls das Geschäft desTodtengräbers — natürlich gegen besondere Bezahlung —besorgen muss.
Gleichfalls von der Gemeinde angestellt werden dieHebammen, deren es in 7 Gemeinden je eine gibt. Dasganze vordere Weilerthal ist auf die Hebamme in Triem-bach angewiesen.
In manchen Gemeinden tritt zu der öffentlichen An-stellung auch noch eine öffentliche Besoldung hinzu, die fürdas Jahr 80 — 120 Mk. Fixum und ausserdem ein Honorar