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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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KAPITEL VI.

etwaige Abgang aber durch den Zugang der oben genanntenanderen Holzarten wohl gedeckt werden wird, und da ferneraus dem Festmeter Holz ca. 100 Holzschuhe gemacht wer-den, so lässt sich die jährliche Fabrikation auf durchschnitt-lich 80,000 Schuhe veranschlagen.

Die Stämme werden schon im Frühjahr gefällt undaufgekauft und müssen den Sommer über, in welcher Zeitder Feldbebauung halber weniger gearbeitet werden kann,bei denSabotiers liegen bleiben. Da nun aber die Buchen-stämme, sobald ihre Schnittflächen der Sonne ausgesetzt sind,vollständig rissig werden, so müssen hiergegen Vorsichts-massregeln ergriffen werden. Am besten ist es natürlich,wenn man sie an einem feuchten Ort, z. B. im Keller unter-bringen kann. Allein da die Mehrzahl der Leute solcheRäume nicht zur Verfügung haben, begnügen sie sich damit,die Stämme mit Moos, Pfriemen, Mist, Rasen oder anderemSchutzwerk zu bedecken oder die Schnittflächen mit Bretternzu vernageln.

Das Handwerkszeug des Sabotiers ist ein sehr mannig-faltiges und umfasst 15 20 Instrumente. Die Technik istungefähr folgende. Nachdem der Stamm zersägt und in sokleine Theile zerhauen ist, wie sie zur Anfertigung von einemSchuh nothwondig sind, wird ein solches Stück auf die Schnitz-bank gelegt. Diese besteht aus einem Bock, dessen Quer-balken in der Mitte einen Einschnitt hat. In diesen wirddas Stück Holz gelegt, und in die Zwischenräume zu beidenSeiten desselben ein Keil aus Eichenholz hineingeschlagen,bis der Klotz ganz festgeklemmt ist. Dann geht es an dieBearbeitung desselben mittelst der verschiedensten Instru-mente. Zuerst werden ganz grobe genommen und damit zu-nächst zwei Abtheilungen hergestellt, vorn eine kürzere undhöhere, hinten eine längere und niedrigere; orstere wird späterden Vordertheil des Fusses ganz bedecken, in letzterer wirdder hintere Theil desselben bis zu den Knöcheln liegen. So-dann wird das Holz mittelst schalenartig gebogener Messervon verschiedener Grösse und Höhlung herausgeschält, nach-dem vorher jedesmal mit einem breiten Bohrer ein Loch ge-bohrt worden ist, an dessen Rändern das Hohlmesser ange-