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insbesondere ebenso niedrigen Zimmern hausen, wie die ärm-sten Leute im Dorf. Ich habe zu wiederholten Malen dieganze Familie in einen ganz engen Raum eingepfercht ge-funden, während die geräumige freundliche Nebenstube, undzwar nicht nur ihrer grösseren Heizungsbedürftigkeit halber,leer stand. Auf meine Frage, warum sie sich in ein sodunkles, enges und ungesundes Loch freiwillig einsperrten,antworteten mir das eine Mal die vier erwachsenen ledigenGeschwister, die diesen Raum bewohnten: „Parcque noussommes eleves ici, et nous le croyons mieux comme ga.“Das Bedürfniss nach Ellbogenraum existirt bei solchen Leutengar nicht; von Jugend auf an dies gedrängte Zusammenlebengewöhnt, wissen sie die Yortheile grosser Räumlichkeitennicht zu schätzen. Das Wachsthum des Wohlstandes hatdaher auf die Erweiterung der Häuslichkeit wenig oder garkeinen Einfluss.
Ueber die Wohnungsdichtigkeit der Weberfamilien ins-besondere habe ich statistische Aufnahmen nicht gemacht,und liegen auch solche aus früheren Zeiten nicht vor. Da-gegen habe ich einen anderen wichtigeren Punkt statistischbehandelt: die Frage, ob die Weber in eigener oder in ge-mietheter Wohnung sich auf halten. Die Tabellen IY u. Venthalten die diesbezügliche Zusammenstellung.
Yon den 923 Weberfamilien wohnen darnach 749, d. h.81,14 °/o in eigener und 163, d. h. 17,75 °/o in gemietheterWohnung und 11, also 1,21 °/o in gepachteten Fermen.
Die Thatsache , dass über 4 / 5 sämmtlicher WeberfamilienIlauseigenthümer sind, ist ein interessanter Ausdruck fürdie schon oft berührte Vorliebe derselben zur Eigenwirthschaft.Wie der Weilerthaler seine Kartoffeln und womöglich auchsein Brot auf selbstbebautem Felde gewinnen will, so willer auch sein Wolinungsbedürfuiss durch den Erwerb eineseigenen Hauses befriedigen. Dies ist denn auch das nächsteZiel eines jeden jungen Mannes, der sich eine selbstständigeHaushaltung gründet. Sind nur erst ein paar hundert Markzusammengespart, ererbt oder in französischen Zeiten durch„Verkauf ans Regiment“ als Vertreter (remplagant) einesDienstpflichtigen erworben, so wird sofort ein Haus zu