Druckschrift 
Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
Entstehung
Seite
128
Einzelbild herunterladen
 

128

KAPITEL VII.

zuführen. Nur ein einziges Mal ist mir dieses aufgestossen.DerGesell war hier allerdings weiblichen Geschlechts.

Aeltere ledige Personen wohnen nun auch zuweilen beiFamilien in der Weise, dass Arbeits- und Schlafzimmer beidengemeinsam sind, doch mit dem Unterschiede von der soebenbesprochenen Art von Kostgängern, dass sie ihren Haushaltallein führen. Sie haben ihren eigenen Vorrath an Kartoffelnund bereiten sich selbst das Essen, allerdings auch auf demFamilienofen. Solche Personen zahlen einen geringerenMiethpreis als die gewöhnlichen Hauszinsleute.

Die besprochenen Fälle kommen jedoch nur äusserstselten vor. Gleiches gilt von dem Fall, dass zwei ganzeFamilien eine und dieselbe Wohnung einnehmen; den be-rühmten Kreidestrich findet man aber hier nicht, sonderndie zwei Parteien suchen sich so gut es geht und je nachihren Bedürfnissen und Neigungen auf die vorhandenenRäumlichkeiten zu vertheilen.

Der Eindruck, den ich von den Weberwolmungen em-pfangen habe, war ein unendlich verschiedener, sowohl jenach den verschiedenen Gemeinden, wie auch innerhalb des-selben Ortes. Im Allgemeinen lassen sich wohl drei Stufenin dem Aussehen der Wohnungen unterscheiden, die selbst-verständlich weit entfernt davon sind, streng untereinanderabgegrenzt zu sein, die sich aber doch in grossen Zügen inganz deutlicher Weise bemerkbar machen.

Nehmen wir zuerst die mittlere Stufe, die in den beiWeitem meisten Fällen anzutreffen ist.

Bei unserem Eintritt in den Hausflur, den wir stetsmit den vor Betreten der Zimmer sorgsam abgelegten Holz-schuhen und bei den stark ackerbautreibenden Familien mitallerhand an den Wänden hängendem Ackergeschirr aus-staffirt finden, bemerken wir in manchen Dörfern gleich amEnde desselben die Küche, die in andern zwar ebenfalls inderselben Fluchtlinie wie der Flur liegt, von diesem aberdurch eine Zwischenwand getrennt ist. Als Herd dient ent-weder ein von den Wälschen so genannter foyer potageroder ein foyer simple. Wir Städter sind nur den ersterenzu sehen gewohnt: eine Platte mit Oeffuungen zur Aufnahme