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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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KAPITEL VII.

Bau auf der Gemein zu Stande kommt. Die Gemeindeliefert dem Bedachten nicht nur den Grund und Boden,sondern lässt auch etwas Holz für ihn schlagen, und erlaubtihm, sich aus den Gemeindewaldungen die zu seinem Baunöthigen Steine zu holen. Dann erbarmen sich einige Bürgerseiner und schenken ihm etliches Holz aus ihren Privat-waldungen, der Schmied gibt ihm die Nägel und der Bäckerliefert ihm während der Bauzeit, in welcher der Hann janichts verdienen kann, das zu seinem Lebensunterhalte nöthigeBrod auf Credit . Baare Auslagen fordern zunächst dieZiegeln und Dachschindeln. Letztere kauft er in der Ge-meinde oder einem Nachbarorte, vielleicht zu 3 fr. das Tau-send, was bei einem Verbrauch von 45000 Stück 12 bis15 fr. ausmacht. Die Ziegeln werden aus der Ziegelei vonSt. Martin herbeigeschafft. Für 23000 Stück muss er hier,da das Hundert 5 fr. gilt, 100 bis 150 fr. geben. Aus der-selben Ziegelei wird noch für 20 fr. Kalk, wovon der Centner2 fr. kostet, bezogen und beide Materialien werden in zweiFuhren, zum Preise von zusammen 12,50 fr., an Ort undStelle geschafft. Diese 10 Centner Kalk sollen nur zumWeissen der inneren Wände, nicht aber zur Bereitung vonMörtel dienen. Als solcher wird vielmehr die dortige soge-nannterothe Erde, ein anscheinend eisenoxydhaltigerLehmboden, den man mit Sand versetzt, verwandt.

Die Maurerarbeiten werden zum Theil selbst verrichtet höchstens nimmt man einige w'enige Tage einen oder zweiMaurer, denen man pro Mann und Tag 3 Mk. bezahltoder aber man gibt die ganze Hausarbeit in Accord, wofürzwei Maurer 80100 fr. verlangen.

Auf diese Weise hilft sich der Arme durch; wie aller-dings das Resultat solcher Nothbaue beschaffen ist, werdenwir sogleich Gelegenheit haben zu erfahren.

Eine allgemeine Charakteristik dieser Wohnungen dritterKlasse zu geben, halte ich bei den mannichfach hervor-tretenden Eigentümlichkeiten der verschiedenen Exemplaredieser Gattung, nicht für zweckmässig. Ich hoffe durch dieBeschreibung einzelner derselben dem Leser ein anschaulicheres