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KAPITEL VII.
einer zweiten Kammer aus, die noch ein Bett für zwei Per-sonen enthält; nur ist der Fussboden noch wackeliger, alsin dem ersten Schlafzimmer.
Sollte mau glauben, dass dieses Elend noch übertroffenwerden kann? So ist es in der That. Es ist eine so grauen-volle Wohnung, dass der Miether sie ein Jahr lang umsonsterhielt, nachdem die Gemeinde die gänzlich schadhaftenFenster hatte flicken lassen, und dies als ausreichender Er-satz des Miethgeldes anerkannt worden war. In beidenStuben, Arbeitszimmer und Schlafkammer, fällt hier theil-weise das ganze Mauerwerk von den Wänden herab, derge-stalt, dass in dieser grosse Risse klaffen. Folge ist, dassweder die Thür, die in den Hausflur, noch die, welche indie Kammer führt, mehr zu sehliessen ist, weil die Angelnkeinen festen Punkt mehr finden können. Die Dielen sindhalb und halb verfault, an einigen Stellen aber wieder aus-gebessert, so dass der Fussboden fast ein hügeliges Niveauhat. In dem ganzen Zimmer, das eine Höhe von 1,90 mhat, erblickt man ausser dem Webstuhl fast nichts mehr.Und nun die Kammer; ein trostloser Anblick ist es, den siedarbietet. Da ist etwa die Hälfte der die Kammer vomSpeicher trennenden Decke heruntergestürzt, und die Lückemit Pfriemen ausgestopft. Zwei der Balken, die das ehe-malige Stück Decke trugen, sind der eine zur Hälfte, derandere zum Drittel seiner Länge abgefault. Letzterer hängtnoch ungestört da, ersteren hat man durch einen Pfosten zustützen versucht. Da nun aber auch der Fussboden ganzgebrechlich ist, musste der Pfosten in den Keller geführtwerden. Das Loch, das zu diesem Zweck in den Fussbodengemacht werden musste, gähnt noch ungedeckt hinauf. Aufmeine Frage, warum dem so sei, hiess es: der Keller ist sofeucht, darum müssen wir öfters nachsehen, ob der Pfostennicht auch abfault. Warum sie dazu nicht den Eingangdurch die Kellerthür wählten? Ja, die ist den ganzen Winterüber verstopft, damit die Kälte nicht hereindringen kann.Letzteres erwies sich allerdings als richtig; der wahre Grundaber für das Offenbleiben des Loches lag wohl nicht in jenerangeblichen Notlnvendigkeit der fortdauernden Beobachtung