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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
Entstehung
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DIE LEBENSHALTUNG .

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um, und richtig an der Wand lehnt der bekannte Klapptisch;allein was nützt dieser, wenn ausser einem Schemel undjener niedrigen Bank kein Sitzplatz mehr vorhanden ist.Doch das ist nicht das Schlimmste, ganz schrecklich ist dieSchlafstätte der Kinder. Sie befindet sich im Hausflur. Gegendie durch die Ilaustliür einziehende Luft versucht ein alter,abgetakelter Schrank, und da dieser nicht bis an die Deckereicht, ein Haufen darauf gelegter Pfriemen die dreiWürmer vergeblich zu schützen. Diese schlafen dahinterauf einer Lage Pfriemen, welche direct auf dem Fussbodenliegen und nur durch ein an den Schrank genageltes Seiten-brett vor dem Auseinanderfallen bewahrt werden. Ueberdie Pfriemen sind ein paar zerfetzte Lumpen geworfen, undauf diesen ruhten die Kinder früher unbedeckt und in den-selben Kleidern, die sie des Tags getragen hatten. Erst alsder Frauenverein sich ihrer erbarmte, konnten sie sich durcheine von diesem geschenkte wollene Decke nothdürftig gegendie eindringende Kälte schützen.

Wenden wir uns von Grube zu dem nächst gelegenenBreitenau. Dort finden wir zwei zur Gemarkung Neukirchformell gehörige, in Wirklichkeit aber von dem Ort Brei-tenau nur durch ein Bächlein getrennte Häuser, die wir zumSchluss unserer Wanderung betreten wollen.

Eine Arbeitsstube mit zwei Webstühlen nimmt uns auf.Ausser diesen sehen wir nichts als einen rauchenden Ofenund eine niedrige Truhe, welche zugleich als Esstisch dient;ein zerbrochener, von Holzwürmern zerfressener Tisch lehntin der Ecke. Yon den Wänden fällt der Putz herunter, derFussboden starrt von Schmutz. Schlimmer noch ist es mitdem Schlafzimmer bestellt. In zwei Betten, zur Aufnahmevon je drei Personen bestimmt, liegen ganz zerrissene Stroh-säcke mit zerfetzten Lumpen bedeckt. Stroh und Lumpenfahren im Zimmer herum. Der ganze Fussboden droht ein-zustürzen und ist nur nothdürftig durch einen Pfosten ge-stützt. Der Mann zeigte mir eine einzige Stelle, wo ich beimeiner Besichtigung hintreten durfte, ohne Gefahr zu laufen,in den Keller durchzubrechen. Ganz ähnlich sieht es in