DIE FAMILIE.
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Von 272 im Eisass untergebrachten Kindern sind imWeilerthal, also in der nächsten Nähe nur 62 d. h. 22,79 °/ogeblieben. Diese Thatsache ist nicht etwa aus einem beiden Weilerthalern herrschenden Trieb in die Perne zu er-klären — wir werden vielmehr späterhin das gerade Gegen-theil bewiesen finden — sondern einzig und allein aus derUnergiebigkeit des Thaies, aus der Unfähigkeit seiner Ort-schaften, den von ausserhalb kommenden Personen eine ge-nügende Nahrungsmöglichkeit zu bieten. Es kann keinensprechenderen Beweis für die Armseligkeit unseres Kantonsgeben als diesen.
In direktem Widerspruch hiermit scheint auf den erstenBlick die Thatsache zu stehen, dass 190, also 27,18% derAussenkinder am Orte selbst sich verselbständigt haben.Dies ist aber durchaus erklärlich. Gegen die objektiveUnergiebigkeit des Thaies kämpft hier die subjektive Träg-heit, die Unlust, anderwärts als im altgewohnten Ileimaths-ort sich sein Brot zu suchen. Dies gilt sowohl für die-jenigen, welche in fremde Dienste gehen, als auch für die-jenigen, w r eiche sich selbständig machen wollen. Für letzterekommt hinzu, dass es jedermann viel leichter wird, auch ab-gesehen vom Palle der Beerbung, im eigenen Ort sich einenHaushalt zu gründen,, als anderwärts, wo einem solchenUnternehmen stets, namentlich aber in armen Gemeinden,ein gewisser aktiver oder passiver Widerstand entgegen-gesetzt wird.
Ich habe es leider unterlassen genau festzustellen, inwieviel Fällen die auswärtigen Söhne in fremden Dienstenstehen und in wie vielen sie sich selbständig gemacht haben.Nur für die Landwirthe habe ich das constatirt. Währendwir nun unter den 13 Männern, die im eigenen Ort gebliebenund Landwirthe geworden sind, 8 Knechte und 5 Bauernfinden, sind sämmtliche 9 Ackerbauer, die im Weilerthal aneinem andern als dem Heimatsort schaffen, Knechte. Inkeinem einzigen Fall ist cs ihnen also gelungen, eine selb-ständige Bauernwirthschaft im Thal ausserhalb des Ileimaths-ortes zu gründen. Diese Thatsache spricht deutlich genugfür die Richtigkeit obiger Behauptung.