PREUSSEN U. D. DRESI). ELBSCHIFFAHRTS-COMMISSION 59
betrachtet wurde, doch nicht zu der heutigen Handelsmachtgelangt, wenn nicht diese Stadt eine sehr günstige geogra-phische Lage hätte: der äusserste Punkt eines grossenMeerbusens, genannt die Nordsee .
Stettin liegt dagegen im grossen Verkehr von Landzu Land ganz anders. Das musste natürlich in einer Zeit,als dieser Verkehr noch ziemlich unentwickelt war, nochviel mehr ins Gewicht fallen. Durch die häufigen und ge-fährlichen Stürme im Kattegat und um Skagen , nicht wenigerin der Ostsee selbst, wurde die Pracht und die Sceassekuranzsehr verteuert. Ferner war die Fahrt um Jütland und durcheinen grossen Teil der Ostsee ohne Zweifel ein bedeutenderZeitverlust. Dazu kam noch der berüchtigte Sundzoll. 121 )Daher waren die Stettiner auch am Anfang des f9. Jahr-hunderts noch keine Weltkaufieute wie die in Hamburg ge-worden: die grossen Kapitale, die internationalen Bezieh-ungen, das ausgedehnte Wechselgeschäft, alles das fehltein Stettin als Grundlage für einen grossen Verkehr.
Die meisten Waren, welche Stettin einführte, warenzum Konsum in Preussen selbst bestimmt. Das sollte nundurch die Zollgesetzgebung von f 818 ganz anders werden;vor allem galt es, dem hamburgischen Kaufmann im Handelnach Polen, Galizien u. s. w. den Rang abzulaufen. 122 )
An und für sich ist der direkte Handel Hamburgs nach jenen östlichen Gebieten damals nicht gross gewesen.Hamburg lieferte meist indirekt. Die slavischen Juden,welche den Handel jener Landesteile damals schon fast aus-schliesslich in den Händen hatten, kauften von dem Gross-kaufmann in Breslau und vor allem auf der Messe in Leipzig persönlich, also indirekt vom hamburgischen Importeur. Essind jene polnischen Handelsjuden, welche Gustav Freytag in seinem „Soll und Haben “ uns so lebendig in der Gestaltdes Tinkeles vorgestellt hat und welche wir heute nochtäglich in Breslau auf dem Karl-Platz und dessen Umgebungbeobachten können. Aber gesetzt den Fall, dieser Transit-handel wäre den hamburgischen Kaufleuten entzogen worden,so wäre auch ohne Zweifel der Handel, welchen Hamburg mit einem grossen Teile Schlesiens betreibt, der sogenannte