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SCHLUSS.
dürften dieselben gewesen sein, welche die Herrschaft zumAbschlüsse der Fronakkorde bestimmten : einerseits die Schlech-tigkeit der Fronarbeit; nur möglichst intensive Bewirtschaftungdes meist schlechten Bodens schien eine Mehrung des Ertrageszu versprechen; andrerseits aber die Rücksicht auf das eigeneWohl der Untertanen. Nicht die Bildung eines oder wenigergroßer Güter in Verbindung mit übermäßiger Belastung derländlichen Bevölkerung, sondern die Schaffung mehrerer kleineroder mittlerer, aber möglichst intensiv bewirtschafteter Güterunter Konservation eines relativ wohlsituierten, nicht überlastetenBauernstandes schien der Herrschaft in glücklicher Verbindungihres landesherrlichen Interesses mit ihrem privatwirtschaftlichenangemessen zu sein.
Ein dritter Gegensatz ergibt sich aus folgendem. Dienordostdeutsche Gutsherrschaft ist der kapitalistische Großbetriebin der Landwirtschaft (G. F. Knapp). Dieser Gesichtspunkt aberläßt sich auf die Hofgutswirtschaft unsrer Gebiete nicht anwenden.Allerdings nicht deshalb, weil in einem System mittlerer undkleiner Hofgüter, die zwar nicht mit den Fronen der Untertanen,-aber ebendeshalb nicht weniger rationell, weil um so intensiver,bewirtschaftet werden, ein kapitalistischer Großbetrieb an sichnicht erblickt werden könnte, sondern aus dem Grunde, weiljener Gesichtspunkt, wenn er auch vielleicht nicht ganz fehlte,so doch hinter den sonstigen Interessen der Herrschaft durchauszurücktrat. Diese Interessen aber lagen vor allem in der landes-herrlichen Stellung des gräflichen Hauses und in seiner Wald-wirtschaft begründet.
In erster Linie ist die vorwiegend öffentlich-rechtlicheund als öffentlich-rechtlich aufgefaßte Stellung des gräfl. Hausesinnerhalb seines Landes zu beachten. Als Landesherrn, als In-haber der Landeshoheit, der Staatsgewalt, nicht als Gutsherrnbetrachteten sich die Grafen.
Die auch hier erstrebte Stärkung der eigenen wirtschaft-lichen Stellung erfolgte nicht durch Ausbildung einer Guts-herrschaft im ostdeutschen Sinne.
Die Ausbildung einer Art Erbuntertänigkeit wie im Osten