23
die innersten Grundgesetze des Geldwesens in ihren wichtig-sten Elementen auf, wie die Machtfrage die Gefahren inter-nationaler Münzverträge von einer neuen, bisher nicht geahntenSeite zeigt.
Für uns Deutsche bilden bei Weitem das wichtigste Er-gebnifs des gesammten Vorgangs die beiden mit Evidenz indemselben wirkenden Thatsachen, erstens: dal's der lateinischeMünzbnnd in seinen Zersetzungsprocefs eingetreten ist, undzweitens: dafs auch im Schoofse dieses auf die Doppelwährunggegründeten Bundes das Silber seiner alten Gleichberechtigungin aller Form entsetzt, das Gold als das alleinige zur Prägungvon vollgültigen Münzen brauchbare Metall anerkannt ist.
Ueber die ersterwähnte Thatsache der Zersetzung brauchtes nicht viel Worte. Wer die Verhandlungen der eben ver-laufenen Conferenz, die daraus entfesselte Polemik zwischenden Mitgliedern des Bundes in der Presse verfolgt hat, kannsich keinen Moment darüber täuschen, dafs eine, ohnehinihrer ganzen Natur nach so gebrechliche Allianz, in welchersolche bis zu den feindseligsten Ausbrüchen sich steigerndenReibungen eingetreten sind, ihrem Ende entgegengehe. DieThatsache selbst, dafs Frankreich , der Gründer und Hort desBundes, sich nicht, wie seit zwanzig Jahren, mit der einfachenErneuerung auf eine Reihe von Jahren begnügt, sondernwissen will, was zu geschehen habe, wenn der Bund zerfällt,weist genugsam darauf hin, welcher Geist selbst in diejenigeRegierung gefahren ist, die bis jetzt ihre ganze Begeisterungund ihren ganzen Einflufs der Aufrechterhaltung dieser latei-nischen Verbrüderung gewidmet hatte.
Faktisch ist der Band durch den zwischen der sechstenund siebenten Sitzung einstweilen erfolgten Austritt Belgiens aus der Conferenz in seiner bisherigen Gestalt aufgelöst. Inder siebenten Sitzung, welche über die Formulirung der Com-pensationsclausel berieth, fehlten bereits die belgischen Dele-gaten. Ein solcher Bund, wenn er auch wieder zusammen-geleimt wird, fristet nur ein künstliches und nahem Ende ver-fallenes Dasein.