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selbst schuldig. Mit Annahme dieses Princips fällt auch dieunsichere, weil unzutreffende Unterscheidung zwischen inter-nationaler und nationaler Verpflichtung weg. Die internatio-nale, ist ein stillschweigendes und. unvermeidliches Ergebniisder nationalen Verbindlichkeit; die Verpflichtung, welche dasGesetz gegen sich selbst, d. h. gegen die eignen Staatsange-hörigen übernimmt, überträgt sich ganz unvermittelt auf dasAusland, weil dieses eben stets das Mittel hat, das Geld im In-land zu präsentiren. Hier also braucht man weder ein Vertrags-noch ein Völkerrecht anzurufen, und deswegen liegt auch dasKriterium für die ganze Streitfrage über die Liquidations-clansel nicht einmal so sehr in der Frage, in welchem Metall,ob in Gold oder in Silber, die Einlösung des Saldos an sil-bernen Fünffranken stattzufinden habe, sondern in der Frage:an welchem Domizil, ob im Domizil des Staates, demder Saldo zugeschickt wird, oder im Domizil desStaates, der den Saldo zur Einlösung abschickt. Hiersitzt der Knoten, und ganz mit Recht hat der belgische Dele-girte in der unübertrefflich klaren Darstellung, in welcher er denAbgeordneten seines Landes am 17. August 1885 Bericht überden Conflict erstattete, diesen Gegensatz zwischen heimischerAnerkennung seiner eignen Münzen und Eingehung einerSchuld im Ausland auf Grund der Ausprägung dieser heimi-schen Münzen als den Sitz der ganzen Materie bezeichnet.Wenn die Franzosen die Sache so darstellen, als wollten siegar nicht Gold herausgezahlt, sondern ihre Forderung nur anihrem Domizil gezahlt haben, so können sie das ruhig thun,weil sie ihre Silberstücke faktisch wie auch ihre Banknotenzu Hause mit Gold ins Gleichgewicht setzen, weil der aus-wärtige Wechselcurs auf Frankreich den Gold- und nicht denSilberfranken repräsentirt, wie das jetzt mit Ausnahme derPapierwährung Oesterreichs und Rufslands und der Silber-währung Indiens für den grofsen Weltverkehr von Land zuLand überhaupt gilt. Weil sie ihren Saldo in Gold empfan-gen wollen, verlangen sie in französischer Valuta dafür bezahltzu werden. Aber indem sie ihr wahres Verlangen auf diese