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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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zu schliefsen, aber doch enger zu machen. Beide ergriffenMaßregeln, die Arbeit der Münzmeister, welche auf dereneigne Faust vor sich ging, zu mäfsigen, gaben Vorschriftenfür ein Maximum an Silber, welches jeden Tag geprägt wer-den dürfte. Frankreich und Belgien waren damals auch dieeinzigen Vertragsstaaten, bei welchen die Prägeanstalten derPrivatthätigkeit offen standen. Die Schweiz , welche sich über-haupt nicht mit Prägung grober Münzen abgab und Privat-prägung damals nicht zuliefs, welche aber eben deshalb umso mehr darauf angewiesen war, die Vorgänge auf den sieversorgenden und damit auch beeinflussenden Münzgebietenzu überwachen, hatte zu Hause nichts anzuordnen und destomehr Grund, sich um das, was bei ihren Münzfreunden vor-ging, zu kümmern. Sie war ohnedies ganz gegen ihre Ueber-zengung zur Annahme der Doppelwährung gedrängt wordenund deshalb um so mehr auf dem Auslug, um die heran-ziehende Gefahr kommen zu sehen, vor der sie stets gewarnthatte. So wurde denn auf Initiative der Eidgenossenschaft fürden Anfang 1874 eine Zusammenkunft der Vertragsmächtenach Paris einberufen, welche sich mit den durch die bereitsgekennzeichneten Vorgänge bedingten Mafsregeln von Bundes-wegen zu befassen hätte. Die interessanten Verhandlungen,auf welche hier nicht näher einzugehen ist, führten denn auch,wie oben erwähnt, zu dem Ergebnifs, dafs beschlossen wurde:die freie Prägung des Silbers einzustellen, aber dennoch jedemStaat ein bestimmtes Quantum als Höchstbetrag zu gestatten.*)Diese Berathungen und Festsetzungen wiederholten sichim folgenden Jahre hindurch, bis endlich durch die Gewaltder Dinge das weitere Ausprägen von Silbermünzen, auch inbeschränkten Quantitäten, sich von selbst verbot, und manperemptorisch beschloJ's: fortan dürfe keiner der Vertrags-staaten mehr Silber prägen, lind zur Abänderung dieses Be-

*) Ich habe an einer anderen Stelle über das Charakteristische dieserVerhandinn gen und Beschlüsse berichtet und schon damals genau voraus-gesagt, wie es kommen werde (Die Entthronung eines Weltherrschers, DeutscheRundschau, IL Heft, 1876).