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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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satz angenommen, stets ein ansehnliches Portefeuille vonWechseln aufs Ausland zu halten. Es bezweckt dies bei einerziemlich starken Notenausgabe eine Sicherheitsreserve zu gebenfür den Fall, dafs einmal der ausländische Wechsel ungünstigfür Belgien stehen sollte und Mittel zur Deckung auswärtigerForderungen parat sein müfsten. Das ist ein sehr rationellesVerfahren, den Metallschatz zu stärken ohne entsprechendeOpfer an Zinsen; auch befolgen noch andere Notenbankendieselbe Methode, und für Belgien wurde sie in Ueberein-stimmung mit der Kegierung ihrer Zeit noch angenommenals ein Aequivalent für das, was wir in Deutschland als einenhaaren Kriegsschatz in den Juliusthurm gelegt haben. Daskleine Belgien konnte sich um so weniger einen solchen Luxusgestatten, als es nicht wie das groi'se Deutsche Reich eineentsprechende Summe von Papiergeld in den Privatverkehrwarf. Der Gedanke nun, dafs jeder Vertragsstaat, indem ersich nicht mit möglichst viel Silbergeld belade, am andernein Unrecht begehe, dafs die Silbermünze ein Ausbeutungs-mittel der Verbündeten untereinander geworden sei, fandseinen krassesten Ausdruck darin, dafs von französischerSeite den Belgiern vorgeworfen wurde, sie hielten für 80 Mil-lionen Wechsel aufs Ausland im Portefeuille ihrer Bank, statt,wie es sich geschickt hätte, Silber dafür hineinzulegen.Wozu ein Münzbündnifs nicht führen kann!

Der Vorschlag, dafs jedes Land den Ueberschufs seinerseit 1874 geprägten Münzen in effektivem Goldwerth einzu-lösen hätte, ruht auf demselben Grunde, wie der Gedanke,aus den vor 1874 geprägten eine gemeinsame Masse zu bilden.Denn mit Einrückung der Beschränkungsclausel wurde, wiebei der silbernen Scheidemünze, die Möglichkeit der Ausgabeausschliel'slich der freien Entschliefsung des betreffenden Staatesanheimgegeben und der Gewinn an Nominal- über Effektiv-werth ihm überlassen. So hat auch Belgien die Sache be-handelt und bis auf einen kleinen Betrag seit 1874 nur fürStaatsrechnung geprägt. In Frankreich hatten sich die Privat-interessen schon frühe genug an den Tisch gesetzt, um auch