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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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und sprach dies so deutlich aus, dafs au der Absicht, eiuensolchen Bruch herbeizuführen, kein Zweifel bleiben konnte.

Auf Anregung der am besten dazu berufenen Abgeordnetenund mit Zustimmung der Regierung wurde am 22. Februar1881 eine Tagesordnung einstimmig beschlossen, welcheeine Erklärung des Finanzministers festlegte, dahin gehend:dafs kein Privatmann gezwungen werden könne, andere Münzenals die des eigenen Landesgepräges anzunehmen; dafs, wenndie Münzconferenz nicht zu einer neuen Vereinbarung käme,*)der Minister rechtzeitig einen ferneren Gesetzenwurf einbringenwürde, um das neue Münzwesen, welches bei Ablauf derConvention ins Leben treten solle, einzurichten, dafs aber, wel-ches auch die in einem solchen Gesetz zu treffenden Bestim-mungen sein möchten, vom 1. Januar 1886 an und zwar selbstvon den Staatskassen keine anderen Silbermünzen mehr an-genommen werden sollten als die, welche italienisches Geprägetrügen.

Angesichts dieses ohne Widerspruch im Hause und aufder Ministerbank angenommenen Beschlusses, konnte damalskeine Ungewifsheit mehr darüber bestehen, dafs man denlateinischen Vertrag nicht erneuern wollte.

Als weiteres Anzeichen, dafs man nicht etwa ein selbst-ständiges Doppelwährungssystem im Sinn habe, fügte mandem Gesetz von 1881 einen Artikel ein, welcher bezweckte,das Uebergewicht, welches in der Anleihebeschaffung demGolde zugedacht war, auf jede mögliche Art zu befestigen.Dieser Artikel (18) machte die Regierung dafür verantwortlich,darüber zu wachen, dafs die Notenbanken ihren Baarbeständennicht das Gold entzögen oder entziehen liefsen. In Ausführungdieses Artikels erging am 12. August 1883 ein Dekret, welchesden Banken vorschrieb, dafs sie nicht mehr als ein Drittheil

*) Ob Cernuschi recht hat, wenn er behauptet, damit könne nur die da-mals ausgeschriebene grofse internationale und nicht eine besondere erst 1884zu erwartende der Lateinischen Union gemeint gewesen sein (Proces S. 88),ist mindestens zweifelhaft.