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Die Schicksale des lateinischen Münzbundes : ein Beitrag zur Währungspolitik / von Ludwig Bamberger
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Zahlung in anderem Metall, nicht aber eine Zahlung auseigener Kraft. Der Unterschied zwischen ihnen und papierenenZahlungsversprechungen ist nur noch ein quantitativer, nichtmehr ein qualitativer; sie sind, wie der französische Delegirteselbst eingesteht, Banknoten in anderer Gestalt, deren Werthnicht in ihnen, sondern in der auf ihnen befindlichen Signaturliegt.

Vielleicht wäre es deshalb dem Sinn, welchen die Unions-staaten nach dieser Wendung der Dinge mit den Silberstückenverbinden, noch mehr entsprechend, wenn sie dieselben ein-zögen und dafür gleichwerthige, die ausdrückliche Ver-sprechung der Einlösung in Gold an der Stirne tragendeScheine ausgäben. An der stillschweigenden Garantie, dal'sdie Silberthaler in Gold einzulösen sind, könnte man zweifel-haft werden, auch könnte eine Aenderung des Vertrages jeneGarantie wieder aufheben. Ein förmliches Versprechen, denSchein in Gold einzulösen, im Namen einer zahlungsfähigenRegierung ausgestellt, wäre entschieden unanfechtbarer undwürde den Vorzug verdienen.

Eine Frage aber mufs man zum Schlufs nach allen diesenErörterungen und Erklärungen aufwerfen: Warum ist beidiesen Garantien immer nur die Rede von der Verpflichtung,die Silbermünzen bei Ablauf des Vertrags, nach 5 oder10 Jahren in Gold einzulösen? Es wäre doch ganz gegendie Natur des Geldes, des wie man sagt baaren Geldes(argent comptant), wenn es seinen Werth erst in einem lang-jährig hinausgeschobenen Termin erlangte. Und dies Geldder Unionsstaaten mag zwar einen besonderen Beruf haben,innerhalb derselben dem Bedarf zu dienen. Doch kann un-möglich gemeint sein, ihm die Brauchbarkeit nach Aufseu,die Zahl- und Exportfähigkeit über die Grenzen hinaus zuversagen, die jedes gute Geld haben mufs. Mit dem Exportaber verliert das Gepräge seinen Werth und der Gehalt alleinentscheidet; die Berechtigung, nach fünf oder zehn Jahren inFrankreich oder Belgien für ein französisches oder belgisches