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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
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146
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146 I. Mgmm'ne Elementarlehre.

Anmerk. i. Um ans Vorstellungen Begriffe zu ma-chen, muß man also compariren, rcflectirenund abft-rahiren können; denn diese drey logischeOperationen des Verstandes sind die wesentlichenund allgemeinen Bedingungen zu Erzeugung einesjeden Begriffs überhaupt. Ich sehe z. B. eineFichte, eine Weide und eine Linde. Indem ich dic'eGegenstände zuvorderst unter einander vergleiche, be-merke ich, daß sie von einander verschieden sind iltAnsehung des Stammes, der Aestc, der Blatteru. dgl. m.; nun rcflectire ich aber hiernachst nur aufdas, was sie unter sich gemein haben, den Stamm,die Aeste, die Blatter selbst und abstrahire von derGroße, der Figur derselben u. s. w.; so bekommeich einen Begriff vom Baume.

2. M«n braucht in der Logik den Ausdruck Abstra-kt i.on nicht immer richtig. Wir müssen nicht sa-gen: Etwas abstrahlten (.ilittral,ers aliquiä), so»-dern vonEtwas absirahircn (i»bltr-chere »b süczuo). Wenn ich z. B. beym Scharlach > Tuche nur dierothe Farbe denke: so abstrahire ich vom Tuche;abstrahire ich auch von diesem und denke mir denScharlack) als einen materiellen Stoff überhaupt: soabstrahire ich von noch mehreren Bestimmungen, undmein Begriff ist dadurch noch abstracter geworden.Denn je mehrere Unterschiede der Dinge aus einemBegriffe weggelassen sind oder von je mehreren Be-stimmungen in demselben absirahirt worden: desto

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