Ausgabe 
(8.1.1822) 7
 
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«em nachtlichen AngrissvorbeugM; für den folgenden Tag aber schien eine blutigeKrisis unvermeidlich. Wirklich graute kaum der Morgen des 20. Nov. als Ban-den von Mördern durch das Quartier der Frank«, stürmten. Einig: 40 linechen,die aus verschiedenen Vorwanden in der Zitadelle gefangen saßen, wurden ihnenausgeliefert und ermordet. Die Mordthaten waren um so zahlreicher, als es ge-rade Festtig war, und die Glichen zutrauensvoll sich in die Kirchen begaben. ImQuartier der Franken begn'gten die Türken chsi mit warmen und Drohen; das festeBetragen der Franken und die an den Kais liegenden bewaffneten Schaluppen dereuropäischen Kriegsschisse hielten die feigen Mörder in Schranken. Im Innern derStadt dagegen fiel man über die Griechen her; die griechischen.:.:er empfandenvorzüglich die Mordsucht der Türken, und in den einsamem Gegenden fielen aucheinzelne Franken. Gegen ic> Uhr Vormittags sendete der Vassa, der für sich selbstzu fürchten begann, einen Offizier mit einer freundschaftlichen Note an die europäi-schen Konsuln ab, und genehmigte die Antwort, die sie ihm znfertigten.

Am 2. Jan. war hier der Mittelpreis der Staatsschuldverschreibungenvom Jahre 1816 zu 5 Prozent in Silbermünze 7z zs4; der iprozentigen Obliga-tionen 14 3s4; der Hoffammer-Obligationen vom Jahre 1815 zu 2 is> Pro-zent 36 7s8; der Wiener Stadt - Banko- Obligationen zu 2 is2 Prozent 35;der Curs auf Augsburg 99 is4 Ufo; Konventions. M. 249 /s8 '.Bankaktien 630 4sz.Von der Donau , den zc>. Dez.So lange der Jsolirungskricg der Hellenen dauert, bis die europäische Politiksich zur Theilnahme entschlossen har, kann man sich auf die widersprechendsten Nach-richten gefaßt machen, erstens haben die Türken nöthig, zur Erhaltung des Muthsihrer Truppen, aus jeder Mücke die ihnen in das Netz fliegt, einen Elephanten zumachen, wie es mit den verdächtigen Vortheilen ihrer fliehenden Flotte der Fallwar, und nun wahrscheinlich mit der Einnahme von Cassandra, die der Capidchi-Baschi von Salonich, dem Pascha von Widdin ohne Angabe des Tags gemeldethaben soll, der Fall seyn wird. Zweytens erfordert es das Interesse der Speku-lanten auf Staatspapiere, daß der Krieg entfernt scheine, und wo möglich die Fort-schritte der Griechen unbedeutend. Daher so viele Versicherungen, daß der Di-van das russische Ultimatum angenommen habe, welche am nächsten Tage sich alsfalsch bewähren, und 2 Tage hernach von neuem aufgewärmt zu werden. Wirbleiben bey unserem Satze: es giebt Krieg, auch wenn die Türken das Ultimatumannehmen, weil seine Exekution nicht so ruhig ablaufen kann, als die Deliberationdes Divan; es giebt Krieg, nicht um die Hellenen frey zu machen, so großmüthig istdie heutige Diplomatik nicht, sondern weil es Nußlands Interesse erheischt, weil eSNiemand ernstlich hindern kann, und wahrscheinlich Niemand als England , ernstlichhindern will. Wir wollen nicht behaupten, daß die Griechen nicht wirklich freywerden, denn auch ihre Einverleibung in das russische Reich würde Freyheit für sieseyn, im Gegensatze mit dem Joche der türkischen Despotie. Wir wissen nicht ein-mal, ob für das Wohl der Griechen eine Uebergangsepoche von ihrem Nevolutions-zusiande zu ihrer Unabhängigkeit nicht vortheilhaft wäre, denn im Grunde wärebey ihrer Schwäche diese Unabhängigkeit doch nur ein Wort ohne Wirklichkeit, undwäre es mehr, so liegt in ihrer Verbildung, in der erblichen Eifersucht ihrer Stammeund Familien d.'r Keim von künftigen Uebeln, die ihnen wenig Ruhe gönnen wer-den. Wir trauen ihnen den Muth zu, ihre Freyheit zu erringen, aber wir habennoch keine historische Ursache zu glauben, daß sie werden sie zu genießen wissen. DieUneinigkeiten, die sogar mitten in der drohendsten Gefahr unter ihnen herrschten,können eher das Gegentheil befürchten lassen. Das größte Unheil, das ihnen aberals Resultat des Kriegs widerfahren könnte, wäre ihre Theilung unter verschiedeneMächte. Außer diesen 4 Möglichkeiten: Unabhängigkeit, russische Herrschaft,Vormundschaft oder Theilung giebt es keine mehr, und jede hat ihre fatale Seite.