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Hütten: Das Volk rufe ich auf. Dem mächtigenStrome weise ich seinen Lauf. Luther hat den Dammgebrochen und die Flut gegen die römischen Teufels-knechte gelenkt. Ich vollende das Werk. Unsere deutschen Fürsten vierteilen uns und treiben mit den Fetzen desReiches ihren Spott wie mit alten Lumpen. Das Volkkommt über sie und spielt ihnen auf, daß ihnen dieOhren gellen und die Knochen rasseln. Ein deutschesVolk schaffe ich, ein freies deutsches Volk,
Sickingen: Ein herrlicher Gedanke! — Mit demkannst Du Mauern zittern machen wie mit den Trom-peten von Jericho. — Aber eins laß' Dir sagen: Laß'das Volk aus der Rechnung; auf das ist kein Verlaß.Setze statt seiner die Reichsritterschaft !
Hütten (erschrocken:) Die Reich Sritterscha st?
Sickingen: Auf die Reichsritterschaft können mirzählen, auf das Volk nicht. Und wer das Reich be-freit, das, dächte ich, ist wahrhaft kein Unterschied.
Hntten: Kein Unterschied? — Das Volk mußTeil am Werke haben; selber muß es sich be-freien. Freiheit kann man nicht als Geschenk em-pfangen, jeder muß sie sich selbst erstreiten.
Ilassau (kommt aus dem Festsaal und sckicn-t sich umi)He,Sickingen! — Da steckt Ihr?
Sickingen: Was wollt Ihr?
Ilalsll»: Der Kaiser verlangt nach Euch.
Sickingen: Der Kaiser? — (zu Hütten gedämpft:)Hast Du dich mit Luthern und seinen Leuten ver-ständigt? — Die vermögen viel.
Hntten: Was braucht's da Verständigung! — Ichweiß mich eins mit ihnen.
Zickinnen: Hm! Der Luther ist eiu Dickkopf. —Für eine politische Neuerung wird er schwer zu habeilsein!
Hütten: Ein solcher Mann —Sickingen: Aus Wiedersehen morgen. Luthers Sachekommt beim Reichstag zur Entscheidung