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Ulrich von Hutten
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Hntten: Wahnsinniges Weib! Laß sie gehen!Margarethe: Bleiben sollst Du und hören!

(Hütten reißt sie am An» von Bcrtha los und schleudert sieum sich herum. Bertha ab.)

Margarethe (ist aus die Kniee gestürzt. Sie springt auf.)Brav geinacht, Ulrich!

Hntttll (barsch:) Was willst Du von mir? Mach'skurz, wenn ich Dich anhören soll!

Margarethe: Dein Bräutchen hört Dich jetzt nicht.Du hast nicht mehr nötig zu lügen. Hast Du damalsmeinen Bries erhalten?

Hatten'. Du solltest mich besser kennen! Wann habeich jemals gelogen?

Margarethe: Ungelesen zerrissen!(wild lachend:)Ungelesen zerrissen! (faßt sich langsam.)

Der Brief war meine Rechtfertigung. Du hastmich an jenem Abend schon sür das gehalten, zu demDu mich gemacht! Prinz Ferdinand batle vonnur keine Zusage

(Hütten will gehen.)

Margarethe: Er drang in mich--! Bleib!

Ich schrei' es durch's ganze Haus! Er drang iumich, aber ich blieb standhast. Du hast mich in seine?lrme geworfen! Ulrich, Du warst mein Gott, ichbetete zu Dir. Von Jugend auf, feit ich Dich zumersten Male gesehen, war Dein Bild in mir. Nichtsgroßes konnte ich mir denken, das nicht in Dir war,und alles in Dir war mir göttlich groß! Da flogdie Sonne aus ihren Geleisen. Ich sah wanken, wasmir unverrückbar gewesen. Der große Hütten hat anmir gehandelt wie ein gemeiner Schurke. Wer wares, der mich die Sünde lehrte? Tu! Und werwar es, der die Sünderin von sich stieß, hochmütigund selbsterhabcn, wie die Tugend das Laster? Du!

War das recht? War das edel? Ulrich, ichkann alles ertragen, nur nicht Verachtung von Dir.Du bist mir der Inbegriff der Menschheit, der einzige