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Ulrich von Hutten
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Hütten (bebend:) Wir sind verraten!---Ich habe

auch Nachrichten, von Crotus. Erasmus sagt sichöffentlich von mir los. Mit unsernGewaltthaten"will er nichts zu schaffen haben! (hohnlachend:) MitSchreibfedern wollen sie der Menschheit Ader lassen undihr Dinte zu saufen geben statt Arznei! Mit Gänse-kielen, die sie in ihrer Wissenschaft gesalbt, wollen siegegen Schwerter fechten! Fahr' er hin! Er ist ein

großer Gelehrter, aber ein kleiner Geist!--Hast

Du foust keine Botschaft? von keiner Seite?--

Ich habe mir alles so ganz anders vorgestellt.

Sickillgen: Ich auch, Hütten. Ich dachte, wir über-raschen die Fürsten, nehmen Trier ohne Widerstand,und so weiter! Daß die Kerle Blut riechen undsich vorsehen, ist mir nicht beigekommen.

Hnttcn: Und mehr hast Du nicht erwartet?

Siltmigtin Hätten wir erst Trier einmal gehabtund wären die andern zu uns gestoßen, nur wärenjetzt schon allenthalben die Herren. So liegen wirschon sieben Tage da und begaffen das Nest, wie derFuchs die Trauben.

Huttrn: Ich habe auf das Volk gebaut. Ich habegeglaubt, wir geben ihm das Zeichen, und in ganzDeutschland steht es auf, schüttelt seine Ketten ab undströmt herbei. Von einem heiligen Kriege des Volkesgegen seine Unterdrücker habe ich geträumt, wo dasVolk sein eignes Heer, und wir nur seine Führersind. Jetzt haben wir zum Streit gerufen. Aber eshört nicht! Nur die Bauern aus dieser Gegend haltenes mit uns. Das ist mein Trost. Sie werden dieandern mit sich ziehen.

Sickillgeil: Bist Tu noch nicht geheilt von DeinerSchwärmerei? Das Volk ist feige. Es lärmt undschreit. Kommt's zum Handeln, dann verstummt esund wartet die Entscheidung ab, um dem Sieger zuzu-jubeln. Drum war es nötig, alles auss beste vorzu-bereiten und unsere Pläne geheim zu halten, bis sie