Druckschrift 
Ulrich von Hutten
Seite
133
Einzelbild herunterladen
 

133

Lichtüberswsscn glänzet der SeeLanschel des Schilfes träninendem i.'iede,Galden unisliesit der Berge Hbh'Stiller ?lbcndfriedc:Die Smmc lvill verscheiden.

i ^wingli ist mi daS Fenster der Hütte getreten. Er hat iemandemdrinnen ein Zeichen gegeben.)

HlUIö Schlltytl >trilt an» der Hülle:) Grüß Ellch Gott !

Zwingli : Grüß Gott^ Hans! Er schiäst?

SchiitM - Er schläft seit ein Mir Stunde».

?wilU'ln Schlas taugt ihm.

Schnegg (bewegt:) Es geht mit ihm zu Ende. Des-halb ließ ich Euch rufeil. Er hat mir gestern »ndhellte viel erzählt; er fühlt selber, daß ernicht mehr lange Zeit hat; und er wollte Ench nacheinmal sehen vor seinem Ende.

Iwiligli: Er hat eine starke Mtur. Die bärtestenSchläge des Schicksals hat er überstanden, und jetzt,beim Ausruhen sollte er sterben?

Schnrgg: Habt Ihr nicht gemerkt, jedesmal mannIhr herübergekommen seid, daß er kränker und blasserwar? (traurig:) Das ist ein schleichendes Absterben,vor dem es keine Rettung gibt.

Zwinglii Hat er immer noch so eifrig geschriebenin der letzten Zeit?

SchniM: Ja; bis heute morgen. Da legte er dieFeder aus der Hand nnd sagte:Das ist mein Testa-ment! Jetzt ist'S beendet nnd ich kaun rnhig sterben." Und das sagte er so lebensmüd und traurig, daßmir die Thränen in die Augen traten; und ich sagte:Sprecht nicht davon! So Gott will, lebt Ihr nochlange." Da meinte er:Gott will'S nicht! Ich binfertig mit dem Leben." Ich habe ihn liebgewonnen. Es wird mir schwer werden, ohne ihn zu sein.

Zwingli (lranrig:) Er hat sich selbst verzehrt, wieein Fener.

(Unter die Thüre der Hütte ist Hütten getreten, ganz bleichund abgemagert. Sein nnstätcS, slackerndcs Wesen ist einerruhigen Verklärung gewichen.)