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handelt und wie man sie zu bezeichnen oder einzuschätzen habe: ob als pro-pädeutische Wissenschaft oder (was das schlimmste wäre) als Universal-wissenschaft oder (was mir das liebste wäre) als Grundwissenschaft, vonder aus sämtliche Zweige der Wissenschaft vom Menschen ihr Leben emp-fingen, die ihnen allen ihren bestimmten Sinn gäbe und ihnen ihre Stellungim Kosmos der Wissenschaft anwiese, nach der sie alle wie die Schiffer nachdem Polarstern ihr Steuer richten könnten.
Die Gesichtspunkte, nach denen ich den Stoff bear-beitet habe, sind durch das Beiwort „geistwissenschaftlich“ im Titelangedeutet. Es sind folgende:
Das Buch soll eine wissenschaftliche Abhandlung sein, soll sichalso der seltsamen Erkenntnisweise befleißigen, die sich die Menschen aus-gedacht haben, als sie an nichts mehr glaubten, um doch einen letztengeistigen Einigungspunkt zu bewahren, den sie dann in dem Bereiche derErkenntnis des „Richtigen“, das heißt aber in dem allgemeingültigen undsomit beweisbaren Wissen gefunden zu haben wähnten. Solches allgemeingültige Wissen zu erzielen, also Wissenschaft im modernen Sinne zu treiben,dazu bedarf es der Askese: wir müssen auf all unsere Liebhabereien ver-zichten, müssen uns Positivisten schimpfen lassen und müssen uns damitbegnügen, im Rahmen der Erfahrung und der logischen Evidenz unserWissen zusammenzutragen, damit wir es jedem Vernunftwesen aufzwingenkönnen: unabhängig von seinem weltanschaulichen, also religiösen, philo-sophischen oder politischen Standpunkt.
Was diese wissenschaftliche Einstellung bedeutet, wird am leichtestenverständlich, wenn wir uns klar machen, auf welche anderen reizvollenBeschäftigungen wir verzichten, das heißt: welche Betrachtungsweisen wirdamit ausschalten. Das sind: einerseits die metaphysische, da diese Aus-blicke in die transzendente Sphäre zur notwendigen Voraussetzung hat,andererseits die politische, die ebenfalls, weil auf Wertungen beruhend,weltanschaulich begründet ist.
Der vorliegende Traktat hält sich daher von allenweltanschaulichen und politischen Erörterungen ge-flissentlich fern.
Die metaphysische Anthropologie, sei es in der Gestalt der theologischen,sei es in der der philosophischen Anthropologie, bleibt also ebenso wie die