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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Total- und Partialentsprechung hegen.So kommen wir notwendig zu der Über-zeugung, daß die politischen und geistigen Taten der Rassen das Erzeugnis (!)ihrer physischen Organisation, ihrer Instinkte und Begabungen sind, gemäßjenem allgemeinen Naturgesetz, das R. Leukart dahin formulierte, daßdieLeistungen eines Geschöpfes mit dem Bau seines Körpers, seiner Größe, Formund Ausrüstung unzertrennbar verbunden sind... Die physische Organisationder Rassen ist die sichtbare Hülle ihrer seelischen (und natürlich auch geistigen)Begabung. Der Zusammenhang zwischen Körper und Geist ist sehr kompli-ziert (!) und an die Funktionen des ganzen Organismus gebunden. Diese WorteLudwig Woltmanns, die er in seinerPolitischen Anthropologie (1903),Seite 249 schrieb, sind sicher noch heute zahlreichen Rasseforschern aus demHerzen gesprochen. Ein Blick in die Tagesliteratur zeigt, daß dem in derTat so ist.

Aber auch nicht rassistisch eingestellte Psychologen und Geisteswissenschaftlerneigen sich einer solchen Aufassung zu.

So ist R. Müller-Freienfels überzeugt, daß die spezischen Formen desmenschlichen Geisteslebens notwendige Auswirkung ebenso verschiedenerTypen menschlicher Veranlagung bedeuten. Er nimmt z. B. an, daß jede deraufeinanderfolgenden Geistesepochen in Deutschland : idealistisch-spekulative,positivistische, ganzheitlich-organische von einem ganz anderen Menschentypusgetragen wurde, den man als Generation zusammenfassen könne. Er führt diePhilosophie Spinozas, die ein statisches Weltsystem verkündet, auf das Ein-siedlertum des Schöpfers im Haag zurück (was allerdings mehr Umwelt-Einflußerweisen würde) und er erkennt in dem dynamischen Weltsystem des L e i b n i zdas Werk einesunruhigen, bewegten, in hundertfältiger Tätigkeit sieh aus-wirkenden Weltmanns. Nietzsches Problemstellungen sind alleeinerseitsim Kampfe mit einer zarten Gelehrtennatur, andererseits in Bejahung seinerkünstlerischen Sehnsucht erwacht usw. Siehe von den Werken des Genannten:Persönlichkeit und Weltanschauung 1919; Psychologie der Wissenschaft (1936),65. 164 f. Die Literaturgeschichtsforseher um die Wende des Jahrhunderts ver-traten z. T. ähnliche psychologistische Anschauungen. So versuchte R. M. M e y e rin seinem BucheStilistik (1906) die Stilistik nach den Temperamenten ab-zugrenzen. Ähnlich verfährt Ernst Elster in dem gleichnamigen, 1911 er-schienenen Buche.

Manche Entsprechungstheorien dieser allgemeinen Natur gehen mehr inseinzelne, indem sie uns nach Art der Alten genauer angeben, welcherKörperteil es ist, den man für die Geistesbeschaffenheit eines Menschenverantwortlich zu machen hat. So hat Ottmar Rutz die interessante Ent-deckung gemacht, daß es die Muskeln, vor allem die Bauchmuskeln sind, vondenen die geistige Struktur des Menschen bestimmt wird. R. unterscheidet3 (4) Typen, sog. Klangtypen, die folgendermaßen geartet sind:

1. der Unterleib ist waagerecht nach vorne geschoben. Die Stimme hateinen dunkeln und weichen Klang. Der Atem ist tief. Voraussetzungist Dauerzusammenziehung des Zwerchfells: Caesar, Napoleon, Goethe,Caruso;

2. die Unterleibsmuskeln sind gleich oberhalb der Hüften waagerecht nachrückwärts geschoben. Stimmklang: hell und weich: Friedrich M., Schiller ,Beethoven;