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Cap. IX. Modus conferendi cum aliis animalibus describitur.
Cap. X. Quomodo ex notis singulorum membrorum naturae hominum dijudi-candae sunt: De pedibus — de tibiis — de genibus — de femoribus — de pectine
— de lumbis — de ventre — de tergo — de lateribus — de umbilico — de pectore
— de dorso — de humeris — de clavicula — de collo — de labiis — de naso —de facie — de oculis — de fronte — de capite.
Cap. XI. De Coloribus. Exemplar „Flavi non malo sunt animo“; „qui ad-modum rubri: malefici“.
Cap. XII. De Pilis (Haare).
Cap. XIII. De incessu.
Cap. XIV. De motu seu gesticulatione membrorum.
Cap. XV. De voce.
Cap. XVI. De magnitudine et parvitate corporum.
Cap. XVII. De symmetria seu commensuratione corporis.
Cap. XVIII. De certitudine signorum.
Man sieht: es fehlt nichts von dem physiognomischen Apparate. Auch in derCharakterisierung der einzelnen „Typen“ ist der Verfasser schon recht sicher.Den „Sittsamen“ beschreibt er wie folgt: „in den Bewegungen langsam, ge-sprächig; die Stimme langsam, volltönend und lieblich; das Auge glanzlos undweder zu stark offen, noch ganz geschlossen, blitzend.“
Die „Schmähsüchtigen“ haben eine aufgeworfene Oberlippe und sind in ihrerHaltung vorwärtsgeneigt; braunrötlich.
In das 16. Jahrhundert fällt das Meisterwerk des DellaPorta, das ich nocheingehender würdigen werde, fallen auch die Essais von Montaigne, dieebenfalls reich an physiognomischen Studien sind.
Ein sehr gründliches Werk über Physiognomik ist das von Dela Chambre,Les Caracteres des Passions, 5 Vol. 1658—63.
Der Verfasser versteht unter „Caractöres“ die äußerlichen Merkmale derseelisch-geistigen Vorgänge.
Ihren zweiten Gipfelpunkt erreicht die Physiognomik dann, wie bekannt, indem schon genannten Schweizer Pfarrer Joh. Kasp. Lavater (1741—1801)Damals stand das Problem der Physiognomik ebenso im Mittelpunkte des all-gemeinen Interesses wie heutzutage etwa das Rasseproblem. Es war wie einRausch, der alle Gebildeten ergriffen hatte und dem selbst — der allerdings sehrjunge — Goethe verfiel. Das Hauptwerk Lavaters , die „Physiognomi-schen Fragmente“ erschien in vier Bänden in den Jahren (1774) 1775—(1777)1778 und wurde bald in viele Sprachen übersetzt.
Aber freilich: dem jähen Aufstieg folgte sehr bald ein ebenso jäher Absturz.
Hatte es zu allen Zeiten Skeptiker gegeben, die an dem Werte physiognomi-scher Studien gezweifelt hatten — so meinte Vauvenargues in seiner Intro-duction ä la connaissance de l’esprit humain etc. 1746, pag. 78: „il ne faut jamaisjuger sur la physiognomie. II y a tant de traits meles sur le visage et le maintiendes hommes, que celä peut souvent confondre, sans parier des accidens qui de-figurent les traits naturels et qui empöchent que l’äme ne se manifeste, comme lapetite veröle, la maigreur etc.“ — so häuften sich gegen Ende des 18. Jahr-hunderts noch zu Lebzeiten Lavaters die gegnerischen Stimmen derartig, daßder Enthusiasmus in Zweifelsucht und Mißachtung umschlug. Die Kritik gingvon den ersten Männern der Zeit aus.