den Ursprung des Pseudo-Aristotelischen Traktats über Physiognomik, der einenTeil des dem Aristoteles ebenfalls zugeschriebenen „Secretum de Secretis“ bil-dete, hat in Erfahrung bringen können, weist auf Handschriften aus dieser Zeitzurück. Wir können an der Hand der Geschichte dieses seltsamen Buches uns eindeutliches Bild von dem Entwicklungsgänge und Stande der damaligen Physio-gnomik machen. Die meisten Forscher nehmen als Verfasser den Arzt Aldobran-dini da Siena an, der die Schrift in seinem Buche Deila Salute del corpo im13. Jahrhundert in französischer Sprache veröffentlichte. Nach andern habe er sienur übersetzt aus dem allgemein bekannten Pseudo-Aristotelischen „Secretum“.Mit dem Aufkommen der Buchdruckerkunst erscheint das Werk in verschie-denen Ausgaben, von denen sich zwei auf der Berliner Staatsbibliothek befinden.Sie haben die Titel:
Physiognomica Aristotelis latina facta a Jodoco Willichio Resel-liano. Vitebergae 1538;
Aristotelis über de physiognomicis Andrea a Lucuna Secobienseinterprete. Parisiis 1541.
Es gibt noch andere frühe Drucke, die jetzt alle zusammengestellt sind in demBuche: (Ott. Targioni Tezzetti), La Scienza della Fisiognomia tolta dalSegreto de’ Segreti attribuito ad Aristotele e traslato in volgare nel secolo XIV.Livorno 1876.
Der Inhalt der verschiedenen Drucke weicht sehr stark voneinander sowievon demjenigen anderer Handschriften ab, die erst neuerdings gedruckt wordensind. So in dem genannten Werke von Tozzetti. Eine dieser Handschriftenweckt unser besonderes Interesse, weil sie uns kundtut, woher der Name Physio-gnomik stammt: von einem Manne, der sie erfunden hat, was sich nur italie-nisch ausdrücken läßt: . .appellasi Fisonomia , perö che Fisonomo ebbe nome
quelli che primieramente la trovoe.“
Aus allem geht hervor, daß die Physiognomik schon im 14. Jahrhundert einesehr verbreitete Wissenschaft gewesen ist.
Da das Pseudo-Aristotelische Werk das Wissensgebiet mit sehr großer Sach-kunde und nach allen Seiten hin bearbeitet und die gesamte Problematik derPhysiognomik — man darf sagen: abschließend — entwickelt, will ich im folgen-den wenigstens eine Übersicht über seinen Inhalt geben:
Cap. I. Quod liceat naturas hominum dijudicare ex aspectu lineamentorumcorporis: „Quod animi sequuntur Corpora et non sint sui ratione libri a corporummotibus, satis dilucide patet.“
Cap. II. De triplice ratione signorum Physiognomicorum: „alii gestus aliaingenia significant“.
Cap. III. Confutuntur veteres Physiognomones in signorum adnotatione.
Cap. IV. Unde signa colligenda sunt.
Cap. V. De signorum discrimine et delectu.
Cap. VI. Signa seu notae praecipuorum affectuum.
Magnanimi signa; Ingeniosi signa; Signa Hebetis et Stupidi; Impudentis signa;Modesti seu temperantes; Constantis seu cui bonus est animus; inanimosi et sim-plicis; voracis: quibus id ab umbilico ad pectus maius est quam quod hinc usquead collum ... und so weiter in bunter Folge.
Cap. VII. Anima et corpus in se mutuo agunt et utramque ab altero afficitur.
Cap. VIII. Divisio eorum quod per animalia fiunt.
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