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11. Sachsinn und Erziehungsfähigkeit;
12. Orts- und Raumsinn;
13. Personensinn;
14. Wortsinn;
15. Sprachsinn, philologisches Talent;
16. Farbensinn;
17. Tonsinn;
18. Zahlensinn;
19. Kunst- und Bausinn;
20. vergleichender Scharfsinn;
21. metaphysischer Tiefsinn;
22. Dichtergeist;
23. Gutmütigkeit, moralischer Sinn, Gewissen;
24. Nachahmungssinn, mimisches Talent;
25. Organ der Theosophie;
26. Beharrlichkeit und Festigkeit.
Spurzheim entdeckt noch: Hoffnung, Gefühl für das Wunderbare, Größen-sinn, Gewichtssinn, Ordnungssinn.
3. Die dritte Gruppe interessiert sich für die Frage, welchen sichtbaren Aus-druck der Geist in der menschlichen Gestalt, insbesondere im Antlitz, findet. Esist diejenige Entsprechungstheorie, die bekannter ist unter dem Namen derPhysiognomi k25).
Joh. Kaspar Lavater, der Begründer der modernen Physiogno-m i k verstand darunter die Fertigkeit, durch das Äußerliche des Menschen seinInneres zu erkennen; das, was nicht unmittelbar in die Sinne fällt, vermittelseines natürlichen Ausdrucks wahrzunehmen. Dieser Wissenszweig ist den merk-würdigsten Schwankungen im Urteile der Zeitgenossen unterworfen gewesen,er hat in manchen Zeiten geradezu eine Modewissenschaft gebildet, um danachwieder der Vergessenheit, ja sogar der Mißachtung anheim zu fallen. Einkurzer Überblick über die Geschichte der Physiognomik, wie ichsie sehe, wird das Gesagte bestätigen.
Dafür, daß die Physiognomik schon im griechischen Altertum zuhoher Blüte gelangt war, haben wir zahlreiche Zeugnisse. In der klassischenZeit gab es eine besondere Zunft, die sich Physiognomen nannten. Unter ihnenragten hervor: Loxus, Zopyrus, der aus dem Gesichte des Sokrates dessenNeigung zum Laster herauslas und Polemon, der Athener , der Sokratesfür blödsinnig und dumm hielt, weil er keine hohlen Schlüsselbeingruben hatte,(was schon in das Fach der Phrenologie schlug), worüber sich, wie uns Cicero (de fato, c. 5) berichtet, Alkibiades begreiflicherweise lustig machte, Cicero , derselbst an die Physiognomik glaubte: „Ipsi animi, magni refert quali in corporelocati sint.“
Aristoteles selbst, obwohl er das lange Zeit ihm zugeschriebene größereWerk, die Physiognomica , nicht verfaßt hat, hat sich doch in seiner Abhandlungüber die Seele und den ihr anhängenden Traktaten vielfach mit physiognomi-schen Problemen beschäftigt.
Ein großes Zeitalter beginnt für die Physiognomik mit der Renaissance, undzwar ziemlich frühe: schon im 13. Jahrhundert muß in Italien das Interesse anphysiognomischen Problemen sehr stark verbreitet gewesen sein. Was man über