phrenologischen Kenntnisse für Politik, Gesetzgebung, Erziehung, Moral, Reli-gion, Alltagsbeschäftigungen usw. nutzbar gemacht werden sollen. Die Schriftvon Co 111 b e wurde in der deutschen Übersetzung im Jahre 1846 von demLehrer Georg Hülte „zum Familien- und Schulgebrauch sowie für Lehrerund reifere Schüler ausgezogen und bearbeitet“ (!). Andere bekannte Schriftenaus der früheren Zeit sind: E. Huschke, Schädel, Hirn und Seele, 1854;J. E. Lucae, Zur Architektur des Menschen, 1857; Cubi i Saler, La Phre-nologie regeneree, 1858; Armand Harembert, Code naturel de la moralesociale, 1862.
Die älteste Literatur ist zusammengestellt in dem Anhänge zu L u d w. Cho w -1 a n d s Vorlesungen über die Kranioskopie, 1844.
Einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung der Phrenologie gibtKarl Schmidt in seiner „Anthropologie“, Band I (1865) Seite 207 ff. Eineeindringende Kritik der Gall’schen Lehren enthält bereits das auf einerungewöhnlich hohen Warte stehende Buch von Ph. Carl Hart mann, DerGeist des Menschen in seinen Verhältnissen zum physischen Leben. Grundzügezu einer Physiologie des Denkens usw., 1820.
Welches lebhafte Interesse die neue Lehre in allen Kreisen auslöste, ersiehtman aus der Zahl der Gründungen Phrenologischer Gesellschaften. Solche er-folgten: in Schottland: Edinburg 1820; bis 1834 6 andere Städte; in England :London 1824; bis 1834 7 andere Städte; in Irland: Belfast 1826, Dublin 1829;in Frankreich: Paris 1831; in Indien: Calcutta 1825; in Nordamerika : Philadel-phia; bis 1834 14 andere Städte.
Die Phrenologie in ihrer ursprünglichen Gestalt ist so lustig, daß ich demLeser etwas ausführlicher davon Mitteilung machen will.
Es gibt „vier phrenologisehe Grundsätze“, nämlich:
1. das Gehirn ist das Organ des Geistes;
2. das Gehirn ist nicht ein einfaches Geistesorgan, sondern es ist aus ver-schiedenen einzelnen Organen der verschiedenen Geisteskräfte zusam-mengesetzt;
3. die Größe des Gehirns und seiner einzelnen Teile ist bei übrigens gleichenUmständen ein Maß seiner Kraft;
4. die Gestalt des Gehirns und seiner einzelnen Teile oder die Größe dereinzelnen Organe kann äußerlich aus der Kopfgestalt erkannt werden.
Was nun dieser Lehre ihr eigentümliches Gepräge gibt, ist die Bestimmtheit,mit denen die vielen einzelnen „Geistesvermögen“ unterschieden und lokalisiertwerden. Die Zahl der solcherweise bestimmten primitiven Organe war zuletztauf 48 gestiegen: Gail hatte 26 angenommen, und zwar:
1. Geschlechstrieb;
2. Kinder- und Jugendliebe;
3. Freundschaft;
4. Mut- und Raufsinn;
5. Würg- und Mordsinn;
6. Schlauheit, List, Klugheit;
7. Diebssinn;
8. Stolz, Hochmut, Herrschsucht;
9. Ruhmsucht, Eitelkeit;
10. Behutsamkeit, Bedächtigkeit, Vorsicht;