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Besonders interessant ist nun ein Vergleich der Geburten- und Sterbe-ziffern und in deren Gefolge der Zuwachsrate bei denselben Völkern inverschiedenen Zeitabschnitten. Da lassen sich für die letzten hundert Jahrein Westeuropa, also in der für unsere „Existenzialität“ wichtigsten Periodeder Weltgeschichte, für die allein wir ja auch nur zuverlässiges Material be-sitzen, deutlich zwei ziemlich starke Tendenzen beobachten: die Tendenzzur Geburtenabnahme bei den westeuropäischen, insonderheit germanischen:Völkern, und die Tendenz zur Verminderung der Sterblichkeit bei allenVölkern, insbesondere auch wieder bei den westeuropäischen Kulturvölkern.
Was zunächst die Geburtenhäufigkeit anbetrifft, so ist die An-nahme, daß in „früherer“ Zeit die Frauen unermeßlich viele Kinder — jedeeinzelne 12 und mehr — gekriegt hätten, die dann alle bis auf zwei imLaufe ihrer Ehe wieder gestorben 3eien, wahrscheinlich falsch: für das 17.und 18. Jahrhundert können wir das sogar zahlenmäßig beweisen. So ent-fielen in Preußen Taufen auf 1 Trauung 108 )
1693—1708 3.94
1709—1721 4,18 usw.
1760 3,66
1780 3,56
Die ersten genaueren Zählungen lassen vermuten, daß die angeführtenZahlen die Höhe der Geburtenzahl bis ins 19. Jahrhundert ziemlich richtigwiedergeben. Für die Zeit vor etwa hundert Jahren (1820—1840) besitzenwir folgende Angaben:
Geborene auf 1000 Einwohner : 109 )
Frankreich 31 (32)
Dänemark - 31
Polen, Irland, Deutschland, Schweiz, Spanien je 37
Neapel 40
Königreich Preußen 42
Rußland 42
Vereinigte Staaten von Amerika 50
Von diesem Zeitpunkt ab beginnt der Geburtenrückgang in Westeuropa ,den Sundbärg wie folgt berechnet:
1801—20
34,0
34,5
1851—55
32,8
34,5
1901—05
30,2
31,9