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Der Rückgang der Sterblichkeit hat vor allem die jüngsten Altersstufenbetroffen. So starben im preußischen Staate nach den Zusammenstellungenvon H offmann in den Jahren 1820 bis 1834 im Alter unter 1 Jahr durch-schnittlich 24,94 vH., im Deutschen Reiche dagegen 1936 nur 6,6 vH.
Der Bevölkerungsstand, sahen wir, hängt nicht nur ab von den biologi-schen Vorgängen des Geborenwerdens und Sterbens, sondern auch von dergeographischen Tatsache des Wanderns.
Daß das Wandern — worunter wir hier zu verstehen haben: die dau-ernde Verlegung des Wohnsitzes — dem Menschen wesenseigentümlich ist rhaben wir früher festgestellt (siehe Seite 57). Hier wollen,wir einiges von.den Formen in Erfahrung zu bringen versuchen, in denen es sich verwirk-licht sowie von den Besonderheiten, die es etwa bei den verschiedenenVölkern aufweist.
Wenn wir hier von Wandern sprechen, denken wir an die dauernde Ver-legung des Wohnsitzes in ein anderes Land oder genauer: in einen anderenStaat, die auf dem Wege der Ein- und Auswanderung erfolgt, schließen also,die sog. Binnenwanderungen aus, die sich innerhalb der politischen Landes-grenzen bewegen und von Bedeutung für die Gestaltung der innerenStruktur des Volkes sind. Über sie ist in einem anderen Zusammenhängezu handeln.
Ob Ein- und Aus- oder Binnenwanderung vorliegt, entscheidet der Zufalldes politischen Schicksals. Die Familie, die ihren Dauerwohnsitz von Appen-weiler nach Straßburg verlegt, wanderte von 1871 und nach 1918 aus, inder Zwischenzeit binnen. Hier soll also nur von Ein- und Auswanderung-gesprochen werden.
Diese bekommt nun zunächst ein verschiedenes Gepräge, je nachdem sieindividuale oder kollektive Wanderung ist, das heißt: je nachdem sie vonEinzelnen oder Einzelfamilien getrennt oder von ganzen Völkern oderStämmen ausgeführt wird. Wir unterscheiden danach Einzelwanderung uncLVölker- bzw. Stammeswanderung. Die Einzelwanderung bezeichnet manauch als Einsickerung, womit man das von La Pouge geprägte franzö-sische Wort „invasion interstitielle“ übersetzt.
Zwischen der kollektiven und der individualen Wanderung liegt eineForm, die ein Zwischengepräge trägt und die man als Gruppenwanderungbezeichnen kann.
Ein weiteres Kennzeichen der Wanderungen ist die Menge der an ihnen,beteiligten Personen.