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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Die J u den waren unter den Makkabäern ein ausgesprochen kriegerische»Volk; später weniger.

Von den Franzosen urteilte Kant im Jahre 1764:Der Franzose ist einruhiger Bürger und rächt sich wegen der Bedrückung der Öeneralpächter durchSatiren oder durch Parlaments-Remonstrationen, welche, nachdem sie ihrerAbsicht gemäß den Vätern des Volkes ein schönes patriotisches Ansehen ge-geben haben, nichts weiter tun, als daß sie durch eine rühmliche Verweisunggekrönt und in sinnreichen Lobgedichten besungen werden, (!) Beobachtungenüber das Gefühl des Schönen und Erhabenen,

Die Deutschen schildert uns derselbe Gewährsmann in seinen Vor-lesungen über Anthropologie wie folgt:Der Charakter der Teutschen wird voneinigen ins Phlegma gelegt. Der Teutsche hängt nicht so sehr an seinem Vater-lande, und das zeigt schon von einem aufgeklärten Volke (t), besonders zeichnensio sich durch geduldige, arbeitsame Gelassenheit aus, schicken sich nicht zuReformen und lassen sich despotisch beherrschen.

Dazu macht der Herausgeber dieser Vorlesungen, Fr, Ch, Starke, imJahre 1831 (I) folgende Anmerkung:Die Zeit hat dies anders gelehrt Di©Teutschen wollen Freiheit unter Gesetzen und Ordnung unter der Herrschaftder Vernunft. Eine weise eingerichtete Staatsverfassung, welche allen gleicheRechte, gleichen Schutz derselben gewährt, ist ihr Wunsch und Ihr Ziel (!)

Immanuel Kants Menschenkunde usw., herausgegeben von Fr. Ch. Starke(1831), 356. Offenbar schwanken die Deutschen in diesem Punkte recht be-trächtlich.

Von den Japanern hieß es noch im Jahre 1893 In England und Deutsch-land ganz allgemein: es sei ausgeschlossen, daß dieses Völkchen von zierlichen,kleinen Menschen mit ihrer zarten Kunstindustrie, ihrer geselligen Gefügigkeit,ihrer Liebe zu Blumen und Schmetterlingen auch politisch ernst zri nehmen seien.Vgl. Ludwig Riess , Historik. Band I. 1912. Seite 72 . Riess führt diesBeispiel an, um denMißbrauch ethnographischer ( rassischer) Erklärungs-weisen zu belegen. In Wirklichkeit handelt es sieh um einen Fall der Unzu-länglichkeit völkerpsychologischer Deutung.

Besondere Bedeutung möchte man solchen Eigenarten ansprachan, diesich durch lange Perioden hindurch beobachten lassen, ja vielMeM vomAnbeginn an demVolke anhaften; wie etwa die sehon vom TaeitmsbehaupteteTrunksucht der Germanen, die schon bei Simetom veraräeh-neteNeuerungssucht der Gallier. Doch möchte ich bei der Fesüsteffitangsolcher Dauerzüge zu größter Vorsicht mahnen: Ich habe die BembacMmiggemacht., daß sehr häufig der eine Gewährsmann vom amdeim alasdtaraälW*ohne sich die Mühe zu geben, für seine eigene Zeit Mnraehemd grifaifelffiStudien anzustellen: ob die überlieferte Eigenart steh wWÄh nasch h©eJfe-achten läßt.

Diese Prüfungen haben nach aller bisherigem JMahrmmg ©rwfessm vmlwerden aller Voraussicht nach immer wieder das JEhgefehfe aririge®, da®es spezifisch völkische Eigenarten »&5t Bamereharak*ter überhaupt nicht gibt, weil die «mitMteai l%emartem Sa tinaa-