253
zaubernde und rührende Schöne, die Franzosen das lachende und reizendeSchöne; die Spanier das Schreckhaft-Erhabene, die Engländer das Edel-, dieDeutschen das Prächtig-Erhabene. Der Spanier ist ernsthaft, verschwiegen undwahrhaft; der Franzose ist artig, höflich und gefällig. Die Empfindung für dieEhre ist: am Franzosen — Eitelkeit, am Spanier — Hochmut, am Engländer —Stolz, am Deutschen — Hoffahrt, am Holländer — Aufgeblasenheit.
Die Franzosen sind höflich, leichtsinnig, veränderlich, freiheitsliebend. DieEngländer sind beharrlich, wohltätig, gewinnsüchtig, stolz und ungesellig. DieSpanier sind mäßig, stolz, religiös, gravitätisch, unwissend, grausam und faul.Die Italiener sind frohsinnig, fest, affektvoll und meuchelmörderisch. Die Deut-schen endlich sind häuslich, ehrlich, beständig, phlegmatisch, fleißig, bescheiden,ausdauernd, gastfrei, gelehrt, nachahmend und titelsüchtig.
Frankreich ist das Modenland, England das Land der Launen, Spanien dasAhnenland, Italien das Prachtland, Deutschland (samt Dänemark und Schweden )das Titelland, Polen das Herrenland.
In der Liebe haben der Deutsche und der Engländer einen ziemlich gutenMagen, etwas fein von Empfindung, mehr aber von gesundem und derben Ge-schmack; der Italiener ist grüblerisch in diesem Punkt; der Spanier phantastisch;der Franzose vernascht.
Das Genie scheint..., nach der Verschiedenheit des Nationalschlages und desBodens, dem es angeboren ist, verschiedene ursprüngliche Keime in sich zuhaben und sie verschiedentlich zu entwickeln. Es schlägt bei den Deutschen mehr in die Wurzel, bei den Italienern in die Krone, bei den Franzosenin die Blüte, und bei den Engländern in die Frucht.
Bei H. de Balzac (in den „Illusions perdues“ ) finden wir folgende lehr-reiche Betrachtung: „L’Espagnol est genereux, comme l’Italien est empoisonneuret jaloux, comme le Francais est leger, comme l’Allemand est franc, comme leJuif est ignoble, comme l’Anglais est noble.
Renversez ces propositions, vous arriverez au vrai.
Les j u i f s ont accaparö l’or, ils ecrivent „Robert le Diable“, ils jouent„Phödre“, ils chantent „Guillaume Teil“, ils commandent des tableaux, ils öleventdes palais, ils öcrivent les „Reisebilder“ et d’admirables poesies, ils sont pluspuissants que jamais, leur religion est acceptöe, enfin ils font credit au papel
En Allemagne, pour les moindres choses, on demande ä un ötranger:,Avez-vous un contrat?“ tant on y fait de chicanes.
En France, on applaudit depuis cinquante ans ä la scöne des stupiditösnationales, on continue ä porter d’inexplicables chapeaux, et le gouvernement nechange qu’ä la condition d’etre toujours le möme!...
L’A ngleterre deploie ä la face du monde des perfidies dont Thorreur nepeut se comparer qu’ä son avidite.
L’Espagnol , apres avoir eu l’or des deux Indes, n’a plus rien.
II n’y a pas de pays du monde oü il y ait moins d’empoisonnements qu’en11 a 1 i e et oü les moeurs soient plus faciles et plus courtoises ...“
In Tolstois „Krieg und Frieden “ lesen wir: „Der Franzose ist selbst-sicher, weil er seine Person, geistig wie körperlich für unwiderstehlich be-zaubernd Männern wie Frauen gegenüber hält; der Engländer, weil er Bürgerdes besteingerichteten Staates ist, und daher, als Engländer, stets weiß, was erzu tun hat und daß alles, was er tut, zweifellos gut ist; der Italiener, weil er